Kein Traumcafé, ein Literaturhaus - Prager Literaturhaus umgezogen

Bisher war das ´Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren´ in einem winzigen Büro untergebracht. Auf nur 13 Quadratmetern wurde geplant, geordnet und archiviert. Drei Mitarbeiterinnen und viele, viele Bücher mussten hier Platz finden. Von einem Haus konnte man wirklich nicht sprechen. Das ist nun anders. Das Literaturhaus ist umgezogen und macht seinem Namen nun alle Ehre. Am Sonntag waren Literaturbegeisterte und Interessierte zu einem Schnuppertag eingeladen. Eva Schermutzki hat sich im neuen Literaturhaus umgesehen und mit dessen Leiterin, Lucie Černohousová, gesprochen.

„Es freut mich sehr, dass es an Lenka Reinerovás Geburtstag gelungen ist, das Haus der Öffentlichkeit zu präsentieren. Es war mein Wunsch ihr das sozusagen zum Geburtstag zu schenken.“

Lucie Černohousová strahlt an diesem Tag mit der Sonne um die Wette. Endlich ein richtiges Literaturhaus! Die Arbeit der letzten Monate hat sich gelohnt. Die Suche nach passenden Räumlichkeiten dauerte schon länger. Nicht nur die Geldfrage stellte ein Problem dar. Auf Spenden angewiesen kann das Literaturhaus keine hohen Mietbeträge aufbringen. Aber auch die Ansprüche an die neuen Räume waren speziell, wie Lucie Černohousová erklärt:

„Wir haben nach Räumlichkeiten gesucht, die unseren Bedürfnissen entsprechen. Wir wollten einen Ausstellungsraum, Begegnungsraum, ein Büro und ein Schriftstelleratelier haben.“

Das alles ist jetzt auf rund 160 Quadratmetern untergebracht. Die Eingangshalle wird als Lesesaal und Veranstaltungsort genutzt. Es wird eine dauerhafte Ausstellung über deutsche Literatur in Prag zu sehen sein. Rechts vom Eingang befinden sich Bibliothek und Schriftstelleratelier. Aber nicht nur die Räume sind ideal, sogar die Lage ist kontextmäßig perfekt gewählt. Lucie Černohousová erzählt:

„Wir sind hier direkt an der Tramstation Štěpánská. In der Štěpánskástraße war auch das Deutsche Akademische Gymnasium, das unter anderem Lenka Reinerová und andere deutschsprachige Persönlichkeiten Prags besucht haben.“

Das kleine Häuschen in dem sich das Literaturhaus neu eingerichtet hat, liegt versteckt in einem Innenhof. Es ist angenehm ruhig. Die Räume sind hell und laden zum Verweilen und Lesen ein. Die Besucher unterhalten sich angeregt bei Kaffee und Kuchen und erkunden das Haus. Doch nicht nur das Haus, auch die Arbeit des Prager Literaturhauses ist an diesem Tag wichtig.

„Unser Ziel ist es zu zeigen, dass es nicht nur Kafka als deutschsprachigen Autor aus Prag gab. Es gab so viele Autoren, die hier gelebt und geschaffen haben. Rainer Maria Rilke, Franz Werfel, Joseph Mühlberger, Paul Lepin, um nur einige zu nennen.“

Lenka Reinerová, die Gründerin des Prager Literaturhauses wäre sicher stolz auf das Häuschen. Jetzt gibt es in Prag einen Treffpunkt für deutschsprachige Autoren und Freunde zeitgenössischer Literatur, so wie sie es sich gewünscht hatte.