Karlsbader Filmfestival: Hauptpreis an Radu Jude

Ein Massaker der rumänischen Armee im Jahr 1941 ist das Thema des Siegerfilms des diesjährigen Filmfestivals in Karlsbad.

Film „Mir ist es egal, dass wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“ (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary)Film „Mir ist es egal, dass wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“ (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary) Beim Filmfestival in Karlsbad wurden am Samstagabend die besten Filme mit dem begehrten Kristallglobus geehrt. Der Hauptpreis des Festivals ging an den Film des rumänischen Regisseurs Radu Jude. Der Streifen heißt „Mir ist es egal, dass wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“. Er beschreibt ein Massaker, das rumänische Soldaten 1941 an den Juden von Odessa verübt haben. Der lange Titel spielt auf ein Kredo des rumänischen Generals, Diktators und Hitler-Verbündeten Ion Antonescu an. Der Film entstand in Koproduktion mit Tschechien. Regisseur Radu Jude sagte, er habe versucht, auf ein Kapitel in der Geschichte seiner Heimat aufmerksam zu machen, das jahrzehntelang verschwiegen wurde. In seinem Film geht es schließlich um eine Theaterinszenierung über die Gräueltat. Gegenüber dem Festivalfernsehen bemerkte Jude:

Radu Jude (Foto: ČTK / Kateřina Šulová)Radu Jude (Foto: ČTK / Kateřina Šulová) „Ich beschäftige mich mit der Geschichte, um eine Verbindung zur Gegenwart zu finden. Mein Film befasst sich mit dem Mangel an Erinnerungen an diese Ereignisse in der gegenwärtigen rumänischen Gesellschaft. Außerdem soll er Möglichkeiten aufzeigen, die ethnischen Säuberungen der rumänischen Armee, aus der heutigen Sicht zu beschreiben. Ich glaube nicht daran, dass sich Geschichte wiederholt. Aber auch in der Gegenwart sehen wird, dass es Rassismus und Antisemitismus sowie die Leugnung von Völkermorden gibt. Darum ist eine Geschichte aus der damaligen Zeit für uns von Bedeutung. Und gerade deshalb verbinde ich die Gegenwart mit der Vergangenheit.“

Den Preis für die beste Regie erhielt der slowenische Regisseur Olmo Omerzu für seinen Film „Wind Files“, der ebenfalls mit tschechischer Unterstützung gedreht wurde. Omerzu würdigte seine tschechischen Mitarbeiter, die sich an dem Roadmovie über zwei Jugendliche beteiligten:

Olmo Omerzu (Foto: ČTK / Slavomír Kubeš)Olmo Omerzu (Foto: ČTK / Slavomír Kubeš) „Das Drehbuch stammt von Petr Pýcha. Ich habe die erste Arbeitsversion gelesen und war so begeistert und überrascht von den glänzenden Dialogen. In jedem Film treten in der Regel viele Erwachsene auf, die an ihre Vergangenheit erinnern oder über das Hauptthema nachdenken. Aber ich hatte beim Durchlesen das Gefühl, dass der Drehbuchautor völlig anders vorgegangen ist, dass er sich auf eine dokumentarartige Weise mit dem Thema Jugend befasst hat.“

Auch in diesem Jahr gaben sich zahlreiche Hollywood-Stars in Karlsbad die Klinke in die Hand. Die Filmfans konnten in der Kurstadt unter anderem auf Tim Robbins, Terry Gilliam oder den Altmeister des US-Kinos Barry Levinson treffen. Der Regisseur wurde am Samstag mit dem Kristallglobus für sein Lebenswerk geehrt.

Robert Pattinson (Foto: ČTK / Kateřina Šulová)Robert Pattinson (Foto: ČTK / Kateřina Šulová) „Für jemand, der in Baltimore, Maryland, aufgewachsen ist, ist es eine besonders große Ehre, einen Preis in der Tschechischen Republik für sein Lebenswerk entgegenzunehmen. Ich bin sehr gerührt. So etwas hätte ich mir nie vorstellen können. Ich bin dafür sehr, sehr dankbar. Vielen Dank.“

Mit dem Preis des Festivalpräsidenten wurde der britische Filmschauspieler Robert Pattinson ausgezeichnet. Berühmt geworden ist er durch die Hauptrolle in der Twilight-Sage. In der letzten Zeit spielt er eher in Low-Budget-Filmen. Gegenüber dem Festivalfernsehen sagte er dazu:

„Ich bin davon überzeugt, dass diese Filme etwas mehr Freiheit bieten. Je niedriger das Budget ist, desto weniger Investoren gibt es, die in Panik geraten, wenn man etwas Verrücktes während der Dreharbeiten macht.“