Karlsbad: Ein Bericht vom roten Teppich

Die Kurstadt Karlsbad bietet eine wunderschöne Kulisse für das 53. Internationale Filmfestival Karlovy Vary.

Hotel Thermal (Foto: Štěpánka Budková)Hotel Thermal (Foto: Štěpánka Budková) Das Hotel Thermal ist das wahre Herz des Festivals. Viele Besucher versammeln sich vor dem Haupteingang und warten auf die Filmstars, um ein Foto von ihnen auf dem Roten Teppich zu erhaschen. Und wenn die Stars gerade einmal nicht da sein sollten, fotografieren sich die Filmfans einfach selbst. Man muss halt einfach einmal dagewesen sein.

Wie jedes Jahr gibt es auch dieses Mal Filme zu entdecken, die abseits des Mainstream laufen. Dem Programmleiter des Filmfestivals in Cottbus, Bernd Buder, hat etwa ein neuer Film aus Rumänien gut gefallen:

„Ich habe den neuen Film des rumänischen Regisseurs Radu Jude gesehen. Ich finde ihn eine unglaublich tolle Reflexion über die augenblickliche Versuchung in Europa, Geschichte zu revidieren. Und die Schwierigkeiten, die entstehen, wenn man selber über die dunklen Etappen der Geschichte forscht. Wenn man sich ständig mit Holocaust, Politik, Vertreibungen beschäftigt, kommt man irgendwann selbst in eine komische Stimmungslage. Radu Judes Film ist ein wahnsinniger Diskurs zu diesem Thema.“

„Dream Away“ (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary)„Dream Away“ (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary) Im Hauptwettbewerb der diesjährigen Festivalausgabe sind gleich zwei tschechische Filme. Deutsche Produktionen fehlen zwar bei den Spielfilmen, im Wettbewerb der Dokumentarfilme sind sie aber mit zwei Streifen vertreten. Johanna Domke und Marouan Omara haben in der deutsch-ägyptischen Koproduktion „Dream Aways“ das Leben in dem einst blühenden und heute ausgestorbenen ägyptischen Badezentrum Scharm El-Scheich eingefangen. Ihr Film hat in Karlsbad eine rege Debatte ausgelöst, wo eigentlich die Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion liegt.

Foto: Štěpánka BudkováFoto: Štěpánka Budková „Für mich ist diese Kategorisierung zwischen Spiel- und Dokumentarfilm nicht so wichtig, weil ich das Gefühl habe, dass ich mich irgendwo dazwischen bewege. Für mich ist das eigentlich Interessante, beide Seiten zu verbinden. Diese Kategorisierung ist ja wahrscheinlich notwendig, aber manchmal finde ich es schade“, sagte mir dazu die Regisseurin Johanna Domke.

In Karlsbad ist man an viele Gäste aus dem Ausland gewöhnt. Sie kommen als Kurgäste wegen der Thermalquellen oder einfach nur wegen der Schönheit der Stadt. In der ersten Juliwoche schließen sich ihnen aber noch tausende Filmfans an. Sie tummeln sich auf der Kolonnade und in den Straßen der Stadt, genießen die Sommersonne in den Parkanlagen und treffen sich in Foyers, stehen Schlange vor den Kassen und Sälen und schauen sich vor allem die Filme an. Andrejka und Kateřina sind aus Pardubice und Hradec Králové in Ostböhmen gekommen. Sie seien zum vierten Mal in Karlsbad und möchten dort sieben Tage lang bleiben. An Eintrittskarten würde man diesmal viel einfacher als in den vergangenen Jahren. Sie hätten bisher alle Filme gesehen, die sie sehen wollten.