Kältewelle in Tschechien: Obdachlose betroffen

Der Winter hat Tschechien fest im Griff. Die bisher kälteste Nacht war von Freitag auf Samstag. Im Böhmerwald sank das Thermometer sogar auf minus 34,6 Grad. Es ist die kritischste Zeit für jene, die auf der Straße leben. In den vergangenen Tagen sind hierzulande schon mehrere Obdachlose erfroren. Und das, obwohl es in den Notunterkünften noch freie Plätze gab.

Obdachlose (Illustrationsfoto: Kristýna Maková, Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)Obdachlose (Illustrationsfoto: Kristýna Maková, Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag) Karel lebt im nordböhmischen Ústí nad Labem / Aussig an der Elbe – und zwar zeitweise auf der Straße. Er hat sich in das Obdachlosenheim Samaritán geflüchtet. Für ihn als Bauarbeiter gibt es im Moment keine Jobs – und damit auch kein Geld für eine ständige Bleibe:

„Ich komme nur jetzt hierher. Ich habe Angst zu erfrieren, weil ich derzeit keine Unterkunft habe. Aber ich habe auch schon in Arbeiterwohnheimen gewohnt.“

In der Notunterkunft des Obdachlosenheims zahlt Karel 30 Kronen (1,10 Euro) pro Nacht. Doch es gibt auch Menschen, die nicht einmal diese Summe aufbringen können. Vendula Krištofová leitet das Heim Samaritán:

In der Notunterkunft des Obdachlosenheims Samaritán (Foto: Gabriela Hauptvogelová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)In der Notunterkunft des Obdachlosenheims Samaritán (Foto: Gabriela Hauptvogelová, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Wir sind besonders bei Kälte vollbesetzt. Wir bieten aber auch einfache Stühle im Warmen an für Klienten, die kein Geld haben und nirgendwo anders hingehen können.“

An wärmeren Tagen leben in Ústí etwa 30 bis 40 Menschen auf der Straße. Derzeit sind es sieben, wie die Polizei der nordböhmischen Stadt mitteilte. Die Streifen werfen regelmäßig ein Auge auf sie.

Sehr viel unübersichtlicher ist die Lage in Ostrava / Ostrau, Brno / Brünn und vor allem in Prag. In der tschechischen Hauptstadt haben 4000 bis 5000 Menschen kein Dach über dem Kopf. Deswegen waren auch die Prager Rettungsdienste im Einsatz.

Illustrationfoto: Jan Ptáček, Archiv des Tschechischen RundfunksIllustrationfoto: Jan Ptáček, Archiv des Tschechischen Rundfunks „In den vergangenen drei Tagen sind wir insgesamt 13 Mal zu Menschen gefahren, die unter Unterkühlung oder Erfrierungen litten. Die meisten waren Obdachlose. Leider haben vier Männer die Folgen der Unterkühlungen nicht überlebt“, so Rettungsdienste-Sprecher Dominik Horn am Sonntagabend.

Zudem fanden Passanten in Karviná / Karwin einen erfrorenen Obdachlosen auf einer Parkbank, auch in Brünn starb ein Mann ohne Unterkunft an Unterkühlung. Die sechs Toten an den bisher kältesten Tagen des Jahres hätte es nicht unbedingt geben müssen. Denn selbst in Prag waren in den Obdachlosenheimen noch Plätze frei. Die Auslastung habe bei rund 85 Prozent gelegen, sagte der Leiter der zentralen Sozialdienste. Zudem seien Nachtlager auch kostenlos angeboten worden. Manche Obdachlose wollen aber nicht in die Notunterkünfte, mal ist der Alkohol das Problem, mal Streitigkeiten.

Jan Kadlec (Foto: Dominika Bernáthová)Jan Kadlec (Foto: Dominika Bernáthová) Die Stadt erwägt trotzdem, die Kapazitäten zu erweitern. Jan Kadlec leitet die Prager Zweigstelle der wohltätigen Organisation Naděje (Hoffnung):

„Falls die Kälte anhalten sollte, dann will der Prager Magistrat weitere Nachtlager aufmachen, und das noch im Laufe des Januars oder spätestens zum 1. Februar.“

Im böhmischen Landesteil hat die Kältewelle etwas nachgelassen, im Osten des Landes aber halten die strengen Fröste wohl noch bis Mittwoch an. Und der Winter ist noch längst nicht zu Ende.