Tagesecho Junger Magier am Dirigentenpult: Tomas Netopil im Nationaltheater
"War das ein Auftakt! Die Staatskapelle hatte zum ersten Aufführungsabend ins Opernhaus geladen und eröffnete damit die Konzertsaison. Am Pult stand der junge Tscheche Tomas Netopil, im Programmheft "Geheimtipp" genannt und wohl auf dem besten Wege zu künstlerischer Eigenständigkeit. Ist die Zeit gekommen, wo er des Geheimtipps gar nicht mehr bedarf?" So begeistert beschrieb Hans Peter Altmann vor kurzem in den Dresdner Neuesten Nachrichten die Leistung des tschechischen Dirigenten Tomas Netopil. Ähnliche lobende Worte an die Adresse des jungen Künstlers könnte man auch beispielsweise aus den italienischen Tageszeitungen zitieren.
Tomas Netopil
Netopil, der 2002 den ersten Sir Georg Solti Dirigenten-Wettbewerb gewonnen
hat, stellt sich nun zum ersten Mal im Prager Nationaltheater vor, und zwar
bei einer besonderen Gelegenheit. Am Donnerstag, dem 27. September,
veranstaltet das Nationaltheater ein Festkonzert anlässlich der Eröffnung
der 125. Theatersaison. Das Programm wurde absichtlich aus Werken
tschechischer Komponisten zusammengestellt, wobei auch weniger bekannte
Kompositionen und Opernarien erklingen. Tomas Netopil hat die Werke mit dem
Orchester des Nationaltheaters einstudiert. Der Dirigent beteiligte sich
auch an der Zusammenstellung des Konzertprogramms:
"Ich habe die Auswahl von Orchester- und Chorkompositionen beeinflusst. Meine Idee war es, die Slawische Rapsodie As-dur von Antonin Dvorak sowie die Ballade ´Nescasna vojna´ von Vitezslav Novak zu spielen. Ich war auch dafür, die Arie aus Janaceks ´Schlauem Füchslein´ vorzutragen. Aber sonst haben wir uns mit den anderen geeinigt und das Programm vernünftig zusammengestellt."
Tomas Netopil
Tomas Netopil dirigiert sehr oft im Ausland. Er hat Konzerte der Londoner
Philharmonie oder des Cleveland Orchestra geleitet. Er dirigierte
beispielsweise bei den Salzburger Festspielen, Opernaufführungen in der
Wiener Volksoper, im Teatro Carlo Felice in Genua sowie in mehreren anderen
Opernhäusern und auf Konzertpodien in Italien, Spanien, Deutschland und in
weiteren Ländern. Der Dirigent bemüht sich stets auch tschechische Musik im
Ausland zu präsentieren. Janacek, Dvorak, Martinu und Suk sind Komponisten,
die ihm besonders am Herzen liegen.
Das Jubiläumskonzert im Nationaltheater stellt für den Chef des Opernensembles Jiri Herman den ersten Schritt zur weiteren Zusammenarbeit des Prager Opernhauses mit Tomas Netopil dar. Neben Mozarts Opern ist von einer romantischen Oper die Rede. Gibt es eine Oper, die er gerne einmal einstudieren würde?
"Ich habe nicht so sehr einen konkreten Wunsch, was die Oper betrifft, sondern ichwünsche mir vielmehr, viele schöne Momente in der Oper zu erleben. Es soll kein holpriges Bemühen sein, den fahrenden Opernzug doch noch einzuholen, sondern ich wünsche mir, dass mir immer die Arbeit so gelingt, wie sie mir schon ein paar Mal gelungen ist, dass der Chor, das Orchester und die Solisten gut vorbereitet sind, und das alles gut klappt. Dies ist mein großer Wunsch."
Für die Musikliebhaber unter unseren Hörern und Lesern hier einige Tipps: Im Oktober wird Tomas Netopil das Orchester der Alten Oper in Frankfurt leiten, Anfang des nächsten Jahres wird er mit der Staatskapelle Weimar und dem Rundfunkorchester in Leipzig zusammenarbeiten. Für die Münchner Opernfestspiele 2008 wird Netopil die Oper Doktor Faust von Ferruccio Busoni einstudieren.






