Tagesecho Jung, lesbisch, Prag. Geht das gut?
Was viele nicht wissen: Prag ist ein internationaler Anziehungspunkt für Gay-Tourismus. Homosexuelle finden gefallen am Nachtleben der tschechischen Hauptstadt. Ein Grund, die junge Prager Lesbenszene einmal etwas näher unter die Lupe zu nehmen. Wie es sich lebt als Lesbe in Prag?
Die Lesben- und Schwulenbewegung in den postsozialistischen Ländern ist in
einer Stadt besonders ausgeprägt: in Prag. Homosexuelle aus Tschechien und
anderen mittel- und osteuropäischen Staaten fühlen sich hier wohl. Denn
Prag ist eine moderne Großstadt und kultureller Dreh- und Angelpunkt
zwischen West- und Osteuropa. Die 26-jährige Zuzana ist Pragerin und
lesbisch:
„Weil Prag eine kosmopolitische Stadt ist, in der heute viele Kulturen und Leute unterschiedlicher Nationalität zu Hause sind. Das geht von der Hautfarbe bis zur Religion. Das macht sich in allen Bereichen des Lebens bemerkbar. Viele Prager sind deshalb auch offener für Dinge, die – salopp gesagt – nicht ganz normal sind.“
Anders sieht es in tschechischen Kleinstädten und Dörfern aus. Dort, wo für junge Leute oftmals der Hund begraben ist, haben es Homosexuelle besonders schwer, Anschluss zu finden.
Illustrationsfoto
„Der Unterschied ist riesengroß. In einer Kleinstadt gibt es so gut wie
keinen Club, in dem sich Schwule und Lesben treffen können. Sie haben
keine echte Möglichkeit sich zu treffen Es ist völlig gleich, ob es sich
um ein Treffen für Homosexuelle oder für andere Leuten handelt – die
Einwohner finden sich zu größeren Begegnungen kaum zusammen. Die Kultur
in Kleinstädten erfährt absolut keine Unterstützung und daher bleiben
auch Homosexuelle außen vor,“ so die 24-jährige lesbische Wahl-Pragerin
Jana.
Deshalb ist gerade Prag für viele Lesben ein beliebtes Ziel: Über Prag erstrecken sich etwa 20 Restaurants, Cafés, Tanzclubs und Bars, in denen sich Homosexuelle treffen können. Das Stadtviertel Vinohrady zählt die meisten Lokalitäten. Was auffällt: Schwule haben unvergleichlich mehr Ausgehmöglichkeiten als Lesben, meint Zuzana:
„Es gibt nur den einen rein lesbischen Club ‚Jampa Dampa’. Und im Club ‚Friends’ findet einmal im Monat eine Veranstaltung für Lesben statt. Generell aber gibt es keine eigenständige lesbische Clubszene.“
Prag
Aber Zuzana und Jana haben sich damit arrangiert. Denn gegenwärtig
genießen junge Homosexuelle in der tschechischen Gesellschaft eine so hohe
Akzeptanz wie noch nie zuvor. Die jungen Leute sind offener und haben mehr
Lust auf Spaß und Vergnügen - auf Festivals, politische Aktionen oder
eben auch auf Bars und Tanzclubs. Das Flair in diesen Treffpunkten gefällt
allerdings nicht jeder Frau, und so kommt es, dass die jungen Lesben meist
nur unter sich bleiben:
„Die älteren Paare mit stabilen Beziehungen suchen diese Clubs nicht auf, denn dort geht es sehr offensiv zu und Beziehungen brechen dadurch schneller auseinander. Ältere Paare verbringen eher Zeit miteinander oder mit Freunden“, meint Jana.
Wer also jung, offensiv und lesbisch ist, der kann in Prag eine gute Zeit haben.








