Tagesecho Jubilar Václav Havel: Mein abenteuerliches Leben verdanke ich dem Schicksal
Im Theater fing er als Bühnentechniker an, seine Dramen haben ihm bald Weltruf gebracht. Als Politiker hat er es 1989 aus der Gefängniszelle bis auf die Prager Burg geschafft und ist zur Symbolfigur der Wende in der ehemaligen Tschechoslowakei geworden. Der Ex-Präsident, Dramatiker und Schriftsteller Václav Havel begeht am 5. Oktober seinen 75. Geburtstag.
Václav Havel (Foto: ČTK)
Als einen der wichtigen Faktoren, die sein Leben beeinflusst haben,
bezeichnet Václav Havel selbst seine Herkunft. Da er aus einer
großbürgerlichen Familie stammt, durfte er nicht an der Prager
Theaterakademie studieren. Im Theatermilieu fing er als Bühnentechniker
an. Für das Prager „Theater am Geländer“ schrieb Havel sein Stück
„Gartenfest“, das bald auch im Ausland aufgeführt wurde und dem
Dramatiker Ruhm brachte. Havel thematisiert in seinen Stücken die
Sinnlosigkeit des Totalitarismus und des bürokratischen Systems. Im Stück
„Die Benachrichtigung“ arbeitet er dazu mit der künstlichen Sprache
„Ptydepe“. Heutzutage ist der Begriff „Ptydepe“ ein Synonym für
Phrasen ohne Sinn.
Václav Havel
Im Rundfunkinterview aus dem Jahr 1967 antwortete der damals 31-jährige
Dramatiker Havel auf die Frage, welche Blume ihm gefällt:
„Es scheint mir nicht so, als seien wir berechtigt, die Schöpfungen der Natur zu bewerten. Jede Blume weiß, warum sie so ist und nicht anders aussieht. Jede Blume hat ihre Schönheit, eine Schönheit eines uns unbekannten Sinnes.“
In der Zeit des „Prager Frühlings“ schloss sich Havel der politischen Diskussion an, in der die Einführung eines demokratischen Systems gefordert wurde. Nach 1968 haben die Kommunisten Havels Stücke verboten, er musste das Theater verlassen, hörte aber nicht auf, zu schreiben. In der restlichen Welt wurden seine Stücke akzeptiert. Havel kritisierte das kommunistische Regime in der so genannten „Normalisierungszeit“ der 1970er Jahre und war einer der bekanntesten Dissidenten. Er setzte sich für politische Gefangene ein, war Mitbegründer der Charta 77 und er war dabei, als im Frühjahr 1989 die Petition „Einige Sätze“ entstanden ist. In den kommunistischen Gefängnissen verbrachte Havel fünf Jahre.
Václav Havel
„Wählt Havel!“ skandierten die Menschen vor dem Parlament im Dezember
1989, und die Parlamentarier folgten ihrem Wunsch.
„Ich verspreche Ihnen, dass ich Ihr Vertrauen nicht enttäuschen und dieses Land zu freien Wahlen führen werde“, erklärte Václav Havel in der Rede nach seiner Wahl zum Staatsoberhaupt im Dezember 1989 vom Balkon auf dem dritten Burghof, der voll jubelnder Menschen war.
Der letzte tschechoslowakische Staatspräsident war dann in den Jahren 1993 bis 2003 das erste Staatsoberhaupt der Tschechischen Republik. Auch nachdem er das Präsidentenamt verlassen hatte, äußerte sich Havel zum politischen Geschehen.
Theaterstück „Der Abgang“
Havel hörte auch nicht auf, zu schreiben. 2008 hatte sein Stück „Der
Abgang“ Premiere, zu dem er sich von seinen eigenen Erfahrungen aus der
Politik inspirieren liess. Das Theaterstück diente als Vorlage für einen
Film, bei dem Havel selbst Regie führte.
2008 wurde der Dokumentarfilm „Bürger Havel“ in Prag uraufgeführt, der in Form eine Langzeitreportage die politische Laufbahn des „unpolitischen Politikers“ schildert.
Václav Havel erklärte in einem Rundfunkinterview vor etwa sieben Monaten, er finde es interessant, dass er ein abenteuerliches Leben gehabt habe:
Dokumentarfilm „Bürger Havel“
"Dabei bin ich von Natur aus kein Abenteurer. Ich bin ein ruhiger,
unauffälliger Mensch und sehne mich nicht nach einem dramatischen Leben.
Es freut mich, wenn die Dinge an ihrem Platz sind, ich bin ein Freund der
Ordnung. Mein abenteuerliches Leben verdanke ich viel mehr dem Schicksal
oder der Geschichte als mir selbst als jemandem, der nach einem Abenteuer
gesucht hätte.“








