Tagesecho Jubiläum: Vor 75 Jahren wurde Plecniks Herz-Jesu-Kirche in Prag geweiht
Die meisten Kirchen in Tschechien wurden schon vor Jahrhunderten erbaut. Aber auch in den letzten hundert Jahren sind einige neue Sakralbauten im Land entstanden. Am monumentalsten unter diesen neueren Kirchen ist zweifelsfrei die Herz-Jesu-Kirche auf dem Georg von Podiebrad-Platz (namesti Jiriho z Podebrad) in Prag. Das einzigartige Werk des slowenischen Architekten Josip Plecnik wurde vor 75 Jahren geweiht.
Architektin Pavla Melkova (Foto: Autorin)
In Tschechien ist Josip Plecnik vor allem als Architekt bekannt geworden,
der sich am Umbau der Prager Burg beteiligt hatte. Die tschechische
Hauptstadt verdankt Plecnik jedoch noch einen beachtenswerten Sakralbau,
der eine Dominante des Stadtteils Kralovske Vinohrady / Königliche
Weinberge darstellt. Bei seinem Entwurf ließ sich Plecnik angeblich durch
die alte christliche Architektur der Mittelmeerregion inspirieren. Der
Architekt musste bei den Vorbereitungen seines Projektes schon einige
Schwierigkeiten überwinden, meint die Prager Architektin Pavla Melkova. Im
Rahmen der Veranstaltungen zum 75. Jubiläum der Herz-Jesu-Kirche hielt sie
einen Vortrag über die Entstehung des Baus:
"Plecnik ist mit seinem Projekt in die damals noch sehr junge Tschechoslowakische Republik gekommen. Als Ausländer stand er vor der Aufgabe, den ersten Monumentalbau in Böhmen zu entwerfen. Außerdem sollte die Kirche erst die zweite in Vinohrady überhaupt sein, so dass es eine Prestigearbeit und eine Aufgabe mit großer Verantwortung war. Von der ersten Linie, die Plecnik zeichnete, bis zur Eröffnung der Kirche dauerte es zehn Jahre. Es ist klar, dass der Architekt während dieser Zeit mehrere Hindernisse zu überwinden hatte - ob es nun politische, finanzielle, architektonische, urbanistische und nicht zuletzt auch religiöse Probleme waren."
Kuratorin Daniela Muskova (Foto: Autorin)
Die Kirchengemeinde der Herz-Jesu-Kirche hat am 8. Mai mit einem
feierlichen Gottesdienst des 75. Jahrestags ihrer Kirche gedacht.
Anlässlich des Jubiläums wurden in der Kirche auch weitere Veranstaltungen
organisiert. Mehr über die Baugeschichte kann man zurzeit in einer
Ausstellung erfahren, die in der letzten Woche in den unterirdischen
Räumlichkeiten der Kirche eröffnet wurde. Ursprünglich sollte es nur um
eine kleine Präsentation für die Mitglieder der Pfarrgemeinde gehen, sagt
Kuratorin Daniela Muskova:
"Schließlich fingen wir an, im Archiv der Pfarrei zu forschen. Dabei
fanden wir interessante Zeichnungen von Josip Plecnik, aber auch von
Architekten, die an dem Wettbewerb teilgenommen hatten, der 1919 für den
Bau einer neuen Kirche in diesem Stadtteil ausgeschrieben worden war.
Plecnik nahm am Wettbewerb nicht teil, wurde jedoch vom Verein, der sich
für den Bau der Kirche einsetzte, aufgefordert, selbständig Entwürfe
auszuarbeiten. Neben den verschiedenen Entwürfen fanden wir auch mehrere
Fotos, die sowohl die Bauarbeiten, als auch die feierliche Weihe der
Kirche dokumentieren."








