Tagesecho Jubiläum: Vor 75 Jahren wurde Plecniks Herz-Jesu-Kirche in Prag geweiht

09-05-2007 16:13 | Martina Schneibergová

Die meisten Kirchen in Tschechien wurden schon vor Jahrhunderten erbaut. Aber auch in den letzten hundert Jahren sind einige neue Sakralbauten im Land entstanden. Am monumentalsten unter diesen neueren Kirchen ist zweifelsfrei die Herz-Jesu-Kirche auf dem Georg von Podiebrad-Platz (namesti Jiriho z Podebrad) in Prag. Das einzigartige Werk des slowenischen Architekten Josip Plecnik wurde vor 75 Jahren geweiht.

Anhören RealAudio: 16kbps 32kbps
Download: MP3

Architektin Pavla Melkova (Foto: Autorin)Architektin Pavla Melkova (Foto: Autorin) In Tschechien ist Josip Plecnik vor allem als Architekt bekannt geworden, der sich am Umbau der Prager Burg beteiligt hatte. Die tschechische Hauptstadt verdankt Plecnik jedoch noch einen beachtenswerten Sakralbau, der eine Dominante des Stadtteils Kralovske Vinohrady / Königliche Weinberge darstellt. Bei seinem Entwurf ließ sich Plecnik angeblich durch die alte christliche Architektur der Mittelmeerregion inspirieren. Der Architekt musste bei den Vorbereitungen seines Projektes schon einige Schwierigkeiten überwinden, meint die Prager Architektin Pavla Melkova. Im Rahmen der Veranstaltungen zum 75. Jubiläum der Herz-Jesu-Kirche hielt sie einen Vortrag über die Entstehung des Baus:

"Plecnik ist mit seinem Projekt in die damals noch sehr junge Tschechoslowakische Republik gekommen. Als Ausländer stand er vor der Aufgabe, den ersten Monumentalbau in Böhmen zu entwerfen. Außerdem sollte die Kirche erst die zweite in Vinohrady überhaupt sein, so dass es eine Prestigearbeit und eine Aufgabe mit großer Verantwortung war. Von der ersten Linie, die Plecnik zeichnete, bis zur Eröffnung der Kirche dauerte es zehn Jahre. Es ist klar, dass der Architekt während dieser Zeit mehrere Hindernisse zu überwinden hatte - ob es nun politische, finanzielle, architektonische, urbanistische und nicht zuletzt auch religiöse Probleme waren."

Kuratorin Daniela Muskova (Foto: Autorin)Kuratorin Daniela Muskova (Foto: Autorin) Die Kirchengemeinde der Herz-Jesu-Kirche hat am 8. Mai mit einem feierlichen Gottesdienst des 75. Jahrestags ihrer Kirche gedacht. Anlässlich des Jubiläums wurden in der Kirche auch weitere Veranstaltungen organisiert. Mehr über die Baugeschichte kann man zurzeit in einer Ausstellung erfahren, die in der letzten Woche in den unterirdischen Räumlichkeiten der Kirche eröffnet wurde. Ursprünglich sollte es nur um eine kleine Präsentation für die Mitglieder der Pfarrgemeinde gehen, sagt Kuratorin Daniela Muskova:

"Schließlich fingen wir an, im Archiv der Pfarrei zu forschen. Dabei fanden wir interessante Zeichnungen von Josip Plecnik, aber auch von Architekten, die an dem Wettbewerb teilgenommen hatten, der 1919 für den Bau einer neuen Kirche in diesem Stadtteil ausgeschrieben worden war. Plecnik nahm am Wettbewerb nicht teil, wurde jedoch vom Verein, der sich für den Bau der Kirche einsetzte, aufgefordert, selbständig Entwürfe auszuarbeiten. Neben den verschiedenen Entwürfen fanden wir auch mehrere Fotos, die sowohl die Bauarbeiten, als auch die feierliche Weihe der Kirche dokumentieren."

Artikel bookmarken

Nicht verpassen

In dieser Ausgabe finden Sie auch

Ins Haushaltsloch gefallen: Euro kommt nicht vor 2012

Thomas Kirschner

Kommt der Euro oder kommt er nicht? Das Jahr 2010 war ursprünglich für die Übernahme der europäischen Gemeinschaftswährung in Tschechien...mehr...

Wettbewerbsnachteil: Private Brauereien unzufrieden mit Steuernachlass für Urquellbrauerei

Lothar Martin

Die Inhaber der kleinen und mittelständischen Brauereien in Tschechien sind empört. Sie finden es ungerecht, dass die Pilsener Urquellbrauerei...mehr...

Vertreibung die Zweite - wie rechts außen um Aufmerksamkeit kämpft

Eva Röder

Der 8. Mai - in Tschechien ein Feiertag, in Erinnerung an den Jahrestag des Kriegsendes. Während Präsident Vaclav Klaus und Spitzenvertreter...mehr...

Ähnliche Artikel

mehr...

Themenarchiv: Kultur

mehr...

Rubrikenarchiv

mehr...

Aktuelle Sendung in Deutsch

Mehr von Radio Prag