Tagesecho Jubiläum: Vor 125 Jahren wurde Nationaltheater Prag wiedergeöffnet
Das Gebäude wird „goldene Kapelle“ genannt, es ist aber kein Sakralraum im echten Sinne des Wortes. Vielmehr ist es ein Tempel der Musen. Es geht um das Nationaltheater Prag, das seine vergoldete Balustrade auf dem Dach wie eine goldene Krone trägt. Das Nationaltheater begeht in diesen Tagen sein Jubiläum. Till Janzer sprach über das Jubiläum mit Martina Schneibergová, die kurz vor der Sendung aus dem Nationaltheater zurückgekommen ist, wo die Feierlichkeiten gestartet wurden.
Das Nationaltheater (Foto: Barbora Kmentová)
Martina, was ist es für ein Jubiläum, denn das Nationaltheater wurde
nicht nur einmal geöffnet, soviel ich weiß?
„Ja, das stimmt. Am 18. November sind 125 Jahre seit der Wiedereröffnung des Nationaltheaters vergangen. Der Grundstein für den Bau wurde bereits 1868 gelegt. Zum ersten Mal wurde das Gebäude im Juni 1881 geöffnet – am Haus wurde jedoch noch gearbeitet, und im August kam es zu einem Brand. Der Theaterbrand wurde damals als eine nationale Katastrophe empfunden. Es wurde schnell eine Spendensammlung organisiert und dank dessen konnte das Nationaltheater am 18. November 1883 wieder geöffnet werden.
Trigen-Modell (Foto: Autorin)
Haben dieselben Architekten nach dem Brand am Gebäude gearbeitet?
„Jein, könnte man sagen. Der ursprüngliche Entwurf stammte von Architekt Josef Zítek. Mit dem Wiederaufbau wurde aber sein Schüler Josef Schulz beauftragt. Schulz hat aber Zíteks Stil respektiert.“
Bereitet das Nationaltheater Sonderveranstaltungen zum Jubiläum vor?
Tag der offener Tür (Foto: Barbora Kmentová)
Offiziell gestartet wurden die Feierlichkeiten mit der Enthüllung eines
Modells der Trigen, mit denen das Dach des Theaters verziert ist. Das
verkleinerte Modell steht im Foyer auf dem ersten Balkon. Die Trigen wurden
vor kurzem gründlich ausgebessert genauso wie das ganze Dach mit dem
vergoldeten Geländer. Zudem findet ein Tag der offenen Tür statt, bei dem
die Interessenten auch Räumlichkeiten betreten können, die normalerweise
für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind - zum Beispiel die so
genannten Präsidentensalons.
Das ist sicher nicht alles, was den Besuchern zum Jubiläum geboten wird. Was gibt es noch?
Trigen (Foto: Autorin)
Zur Jubiläumsfeier wird natürlich auch eine Oper aufgeführt. Anders als
bei der Wiedereröffnung wird es aber nicht Smetanas Libussa sein, sondern
seine Verkaufte Braut. Außerdem wird ein Comic herausgegeben, der vor
allem für jüngere Leser gedacht ist. Darin werden verschiedene Legenden
geschildert, die mit dem Bau des Theaters verbunden sind. Zudem wurde vor
kurzem - zwar nicht vom Nationaltheater, sondern vom Verlag Dokořán -
noch ein Buch herausgegeben, das das Nationaltheater im Kontext der
europäischen Operntheater vorstellt. Es handelt sich um eine Arbeit des
deutschen Historikers Philipp Ther, der das bürgerliche tschechische
Nationaltheater mit der höfischen Semperoper in Dresden und dem polnischen
Operntheater in Lemberg verglich.







