Jiří Bělohlávek gestorben: Wasser des Lebens für Tschechische Philharmonie

Der renommierte tschechische Dirigent Jiří Bělohlávek ist tot. Der Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie ist in der Nacht zu Donnerstag im Alter von 71 Jahren gestorben. Er galt als einer der bedeutendsten Orchesterleiter der Gegenwart.

Jiří Bělohlávek (Foto: ČTK)Jiří Bělohlávek (Foto: ČTK) „Der Weg zur Vervollkommnung, zu einem besseren Verständnis musikalischer Werke, zu einem besseren Erleben und dadurch auch zu einer besseren Vermittlung für die Hörer, hört nie auf. Denn wenn man eine Stufe erreicht hat, öffnet sich eine unendliche Reihe weiterer Möglichkeiten, um daran anzuknüpfen. Der Weg ist unendlich lang, aber auch unendlich schön.“

So Jiří Bělohlávek im Januar vergangenen Jahres, als er im Tschechischen Rundfunk über seine Beziehung zur Musik sprach. Er galt als präziser und anspruchsvoller Dirigent und als Spitzeninterpret insbesondere tschechischer Komponisten. Zahlreichen Werken von Dvořák, Janáček, Suk und Martinů hat er zu einem breiteren Publikum verholfen, und zwar sowohl mit ausländischen Orchestern als auch an der Spitze der Tschechischen Philharmonie.

Jiří Bělohlávek (Foto: Archiv der Tschechischen Philharmonie)Jiří Bělohlávek (Foto: Archiv der Tschechischen Philharmonie) Bělohlávek leitete die Philharmonie in den Jahren 1990 bis 1992 und erneut seit 2012. Seine künstlerische Arbeit mit dem Orchester hat seitdem weltweit große Anerkennung gefunden.

„Ich bin zur Tschechischen Philharmonie mit meinen Plänen gekommen und mit einer festen Überzeugung, dass wir meine Vision realisieren werden. Ich war mir aber dessen bewusst, dass dies ziemlich lange dauern würde. Die Realität hat mich überrascht und meine Erwartungen übertroffen. Die harmonische Kooperation mit dem Orchester ist für mich ein großes Vergnügen. Ich freue mich auf jedes weitere Projekt. Und ich sehe, dass auch die Mitglieder des Orchesters dies so erleben und große Freude daran haben.“

Der Direktor der Tschechischen Philharmonie, David Mareček, sagte nach dem Tod des Dirigenten:

David Mareček (Foto: Tomáš Vodňanský, Archiv des Tschechischen Rundfunks)David Mareček (Foto: Tomáš Vodňanský, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Seine Rückkehr auf den Posten des Chefdirigenten im Jahr 2012 war für das Orchester wie das Wasser des Lebens. Es kehrte mit ihm auf alle Weltbühnen zurück. Dank seiner spielte die Philharmonie hervorragende Aufnahmen ein. Und vor allem hat er dem Orchester ein neues inneres Leben verliehen, den Stolz darauf, die Tschechische Philharmonie zu sein. Die Konzertbesucher konnten hören, dass dem Orchester ein neuer Weg gewiesen und ein neuer Impuls gegeben wurde, mit Vergnügen zu spielen.“

Mit der Philharmonie hat Bělohlávek unter anderem beim Label Decca die CD-Neueinspielung sämtlicher Symphonien und Konzerte von Antonín Dvořák veröffentlicht. Erst im Januar verlängerte er seinen Vertrag mit dem Orchester um weitere sechs Jahre.

Die Musik hat Jiří Bělohlávek sein ganzes Leben lang begleitet. Als Kind spielte er Klavier und sang in einem Kinderchor, später wechselte er zum Violoncello und Dirigieren. 1977 wurde er für 13 Jahre Chefdirigent des Prager Symphonieorchesters FOK. 1994 gründete er die Prager Kammerphilharmonie – Prague Philharmonia PKF, ein Orchester aus begabten und begeisterten jungen Musikern, das er zu einem erstklassigen Ensemble machte. 1995 knüpfte Bělohlávek eine Zusammenarbeit mit dem BBC Symphony Orchestra in London, einem der wichtigsten Klangkörper in Großbritannien. Und von 2006 bis 2012 leitete er es dann mit großem Erfolg. Dafür zeichnete ihn Königin Elisabeth II. mit dem britischen Verdienstorden „Commander of the British Empire“ aus.

Jiří Bělohlávek (Foto: ČTK)Jiří Bělohlávek (Foto: ČTK) Jiří Bělohlávek hat auch mit vielen weiteren Orchestern zusammengearbeitet. Dazu zählen unter anderem die Berliner Philharmoniker, das Cleveland Orchestra, die New Yorker Philharmoniker, das Gewandhausorchester Leipzig, die Sächsische Staatskapelle Dresden, das San Francisco Symphony Orchestra und das Rotterdam Philharmonic Orchestra. Als Operndirigent war er unter anderem an der Komischen Oper Berlin, am Royal Opera House Covent Garden in London, an der New Yorker Metropolitan Opera, an der Wiener Staatsoper sowie beim Glyndebourne Festival tätig.