Ivana, Zlín und Miloš Zeman – Donald Trumps Beziehung zu Tschechien

Der wohl umstrittenste US-Präsident aller Zeiten tritt am Freitag sein Amt an. Was bedeutet das für Tschechien? Und welche Verbindung hat der Milliardär zu dem Land?

Donald Trump (Foto: ČTK)Donald Trump (Foto: ČTK) Was den Ablauf der Inaugurationsfeierlichkeiten wird sich nicht von den vorhergehenden unterscheiden. Die Amtseinführung hat eigentlich schon am Donnerstag begonnen mit einer Kranzniederlegung auf dem Heldenfriedhof in Arlington. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten folgt am Freitag vor dem Kapitol in Washington mit dem Amtseid und der ersten Rede des neuen Präsidenten. Was wird aber anders sein – unter den erwarteten 900.000 Menschen in Washington D. C. werden nicht nur begeisterte Zuschauer sein, sondern vor allem auch Demonstranten gegen den umstrittenen Politiker. In der Nacht auf Donnerstag musste die Polizei Medienberichten zufolge bereits Proteste auflösen, und sogar Tränengas soll zum Einsatz gekommen sein. Zudem werden der Amtseinführung ungewöhnlich viele Senatoren fernbleiben aus Protest gegen Donald Trump.

Ivana Trump (Foto: Tschechisches Fernsehen)Ivana Trump (Foto: Tschechisches Fernsehen) In Tschechien schaut man an diesem Freitag ebenso gespannt nach Washington. Denn der neue Präsident hat eine ganz besondere Verbindung zu dem Land. Der Grund dafür heißt Ivana Trump. Das Modell wurde nämlich als Ivana Zelníčková im ostmährischen Zlín geboren. 1977 heiratete sie den Immobilien-Milliardär und zog zu ihm in die USA. Wie sie sich in einem Restaurant kennengelernt haben, erzählte Ivana Trump in einem Fernsehinterview:

Zlín (Foto: Tschechisches Fernsehen)Zlín (Foto: Tschechisches Fernsehen) „Ich sah meine Freundinnen an und sagte: Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist, wir werden hier schnell einen Tisch haben. Die schlechte ist, dieser Gentleman wird wohl bei uns sitzen wollen. So hat meine Beziehung mit Donald Trump angefangen.“

Trump selbst hat auch einige Male Zlín besucht, zuletzt 1990 zur Beerdigung seines Schwiegervaters. Damals hieß es auch, dass mit dem Besuch des Vorzeige-Kapitalisten Trump in der Tschechoslowakei der Eiserne Vorhang endgültig gefallen sei. 1992 wurde die Ehe dann geschieden. Ivana Trump sagte damals, sie habe sich verändert. Sie wolle nicht mehr an der Seite eines so dominanten Mannes stehen und mehr auf sich selbst schauen.

Ivanka Trump (Foto: David Shankbone / CC BY 3.0)Ivanka Trump (Foto: David Shankbone / CC BY 3.0) Aus der Ehe mit Ivana Trump sind auch drei Kinder hervorgegangen: Donald junior, Eric sowie Ivanka Trump, die im Wahlkampf ihres Vaters eine entscheidende Rolle spielte. Die Kinder haben eine enge Beziehung zur ehemaligen Heimat ihrer Mutter, sie waren dort oft ganze Sommer über zu Besuch bei den Großeltern, zu denen sie immer ein enges Verhältnis hatten. Eric Trump erzählt zum Beispiel, wie sehr ihn seine Aufenthalte in der Tschechoslowakei vor allem Bescheidenheit gelehrt hätten. Donald Trump junior spricht im Übrigen fließend Tschechisch.

Die Ex-Eheleute haben nach wie vor ein gutes Verhältnis zueinander, weshalb nach Trumps Wahlsieg auch über den Botschafterposten für Ivana in Tschechien gesprochen wurde. Davon war auch Präsident Miloš Zeman begeistert. Bekanntlich hatte er ein äußerst angespanntes Verhältnis zum scheidenden US-Botschafter Andrew Schapiro.

Miloš Zeman (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Miloš Zeman (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Präsident Miloš Zeman steht Donald Trump äußerst positiv gegenüber, besonders wegen seiner Positionen zu Migration und islamistischem Terror. Auch war Zeman einer der wenigen hochrangigen europäischen Politiker, die Donald Trump offen im Wahlkampf unterstützt haben. Die Begeisterung für Trump war auch bei Zemans Glückwunsch-Briefing zu sehen:

„Man hat mich schon als tschechischen Donald Trump bezeichnet. Ich empfinde das aber nicht als Beleidigung, sondern als Auszeichnung.“

Bohuslav Sobotka (Foto: Prokop Havel, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Bohuslav Sobotka (Foto: Prokop Havel, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Premier Bohuslav Sobotka (Sozialdemokraten) hingegen ist vorsichtig mit einer Bewertung des neuen Staatsoberhauptes der USA. Einen Tag nach der Wahl witzelte der Premier noch, dass Trump im Unterschied zu anderen US-Präsidenten wenigstens wisse, wo Tschechien überhaupt sei. Für Premier Sobtoka heißt es nun abzuwarten, wie sich Trump in seinem Amt tatsächlich verhalten wird:

„Ich denke nicht, dass Trump eine besondere Politik für Mitteleuropa fahren wird. Es ist wichtig, dass Europa eine gemeinsame Sprache findet gegenüber der neuen US-Administration. Denn eine gute Kommunikation zwischen Europa und den USA ist das Rückgrat der westlichen Welt. Ansonsten droht die Gefahr, dass der Westen an Einfluss in der Welt verliert.“