Tagesecho Israels Ministerpräsident zu Besuch in Prag
Ende vergangener Woche weilte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu einem Staatsbesuch in Prag. Mit Netanjahu reisten auch sieben Minister seines Kabinetts an. Der Besuch diente in erster Linie dazu, die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen auszubauen und um über konkrete Projekte im Bereich der Forschung und Ausbildung zu verhandeln. Aber es kamen auch andere Themen zur Sprache.
Benjamin Netanjahu, Petr Nečas (Foto: ČTK)
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich bei seinem Besuch in
Prag skeptisch vor den Atomgesprächen mit dem Iran geäußert. Er sehe
keinerlei Beweis, dass Iran ernsthaft bereit sei, sein Atomprogramm zu
beenden, sagte Netanjahu in Prag. Die Tschechische Republik und Israel
teilten die Befürchtungen, die mit der Entwicklung des iranischen
Atomprogramms verbunden sind, erklärte der tschechische Premier Petr
Nečas im Anschluss an sein Treffen mit Netanjahu. Nečas führte weiter
an, Tschechien respektiere das Recht Israels, sich gegen den Terrorismus zu
verteidigen: „Es bestehen keinerlei Zweifel an der Legitimität des
jüdischen Staates, den man daher auch nicht boykottieren sollte.“
Benjamin Netanjahu betonte, dass er die Tschechische Republik als engsten
Verbündeten seines Landes in der EU ansehe: „Israel hat zurzeit keinen
besseren Freund in Europa als die Tschechische Republik.“
Netanjahu äußerte sich auch zum langjährigen Konflikt zwischen Israel und Palästina. Nečas wiederholte, dass die Entspannung nur durch Verhandlungen beider Staaten erreicht werden könne. Wie er allerdings einräumte, versuchte der tschechische Premier seinen Amtskollegen davon zu überzeugen, in einigen Punkten der internationalen Kritik zu weichen. Konkret handelt es sich um Lebensbedingungen der Palästinenser im Westjordanland: „Wir haben unseren israelischen Freunden versucht zu erklären, dass es unter völligem Respekt für die Sicherheitsinteressen Israels gut wäre, nach Wegen zu einer größeren wirtschaftlichen Entwicklung in dieser Gegend zu suchen.“
Petr Nečas, Benjamin Netanjahu (Foto: ČTK)
Während des Besuchs von Netanjahu fand in Prag die historisch erste
Sitzung von Vertretern der Regierungen Tschechiens und Israels statt. Die
Minister beider Länder unterzeichneten Erklärungen über die
Zusammenarbeit im Verkehrswesen, in Wissenschaft und Forschung, in der
Kultur sowie in der regionalen Entwicklung. Wie der stellvertretende
Außenminister und frühere Botschafter in Israel, Jiří Schneider,
anführte, habe der bilaterale Handelsumsatz im vergangenen Jahr fast eine
Milliarde US-Dollar erreicht: „Seit ungefähr drei Jahren läuft das
Projekt Most (Die Brücke). Beide Regierungen stellen Gelder bereit, die
Firmen im Rahmen von Ausschreibungen zur industriellen Entwicklung und zur
angewandten Forschung nutzen. Es ist kein Zufall, dass unmittelbar nach dem
Besuch dieser Delegation vier israelische Nobelpreisträger in Tschechien
erwartet werden. Man kann in diesem Bereich von Israel wirklich viel
lernen.“







