Tagesecho Internet-Betrüger plünderten tschechische Konten
Am Mittwoch herrschte unter den tschechischen Bankkunden helle Aufregung - vor allem unter denen der Komercni banka, des drittgrößten Geldinstitutes im Land. Von mehreren Konten nämlich war dort Geld verschwunden, und zwar auf elektronischem Weg über das Internet. Mittlerweile hat sich der Trubel ein wenig gelegt, das Ausmaß des Schadens dürfte sich in überschaubaren Grenzen halten. Dennoch gibt es über die Strategie der Hacker noch keine restlose Klarheit.
Robert Fonhauser war geschockt. Vom Konto des Bäckers aus Dobrany nahe der
westböhmischen Stadt Plzen / Pilsen verschwand fast eine Million Kronen,
das sind etwa 35.000 Euro.
"In unserem Fall wurde praktisch das gesamte Konto leer geräumt. Besonders unangenehm war, dass wir den Leuten zunächst ihren Lohn gar nicht auszahlen konnten. Die Komercni banka hat sich aber fair verhalten und den Verlust in voller Höhe ersetzt. Für uns ist jetzt also wieder alles in Ordnung", sagt Fonhauser.
Dass zurzeit auch in der Komercni banka selbst alles in Ordnung ist, darf hingegen bezweifelt werden. Auch wenn sich die finanziellen Schäden in Grenzen halten, droht der Bank ein wenigstens vorübergehender Imageverlust. Und das, obwohl es im hauseigenen elektronischen Sicherheitssystem angeblich keine Lücken gibt, wie Pressesprecherin Romana Ondruskova betont:
"Die internen Systeme der Bank wurden auf keinen Fall angezapft. Wir haben lediglich zehn Fälle registriert, bei denen die persönlichen Computer von Klienten missbräuchlich verwendet wurden. Mit den betroffenen Kunden sind wir natürlich in Kontakt, und sämtliche illegal abgehobenen Beträge haben wir bereits ersetzt."
Auf welche Art die Rechner von Klienten missbräuchlich verwendet wurden,
wie Ondruskova sagt, ist derzeit aber noch offen. Eine besonders
fahrlässige Variante beschreibt Vladimir Smejkal, Experte für
Computerkriminalität.
"Es ist zum Beispiel schon einmal passiert, dass ein Klient einen Computer, in dem er seine Passwörter für die Kommunikation mit der Bank gespeichert hatte, zur Reparatur gebracht hat - und zwar im Widerspruch zu den Nutzungsbestimmungen. Wenn jemand einen solchen Computer in die Hände bekommt, dann kann er sich problemlos anstelle des Klienten zum Internet-Banking einloggen."
Es ist aber auch möglich, dass die Hacker den Kunden mithilfe von E-Mails
mit gefälschtem Bank-Absender ihre persönlichen Daten entlockt haben. Das
Geld wurde dann jedenfalls auf andere Konten der Bank überwiesen, von
Mittelsmännern abgehoben und gegen eine Provision auf Konten in
Großbritannien, Belgien und der Ukraine eingezahlt. Über die Höhe des
Gesamtschadens wird vorerst Stillschweigen bewahrt. Umso lauter sind
derzeit die Appelle an die Sparer, beim Internet-Banking eben extrem
vorsichtig zu sein.





