Tagesecho Ins Haushaltsloch gefallen: Euro kommt nicht vor 2012
Kommt der Euro oder kommt er nicht? Das Jahr 2010 war ursprünglich für die Übernahme der europäischen Gemeinschaftswährung in Tschechien angepeilt worden. Damit aber wird es nun wohl nichts. Trotz glänzendem Wirtschaftswachstum hat Tschechien Probleme mit den Konvergenzkriterien.
Miroslav Kalousek
3,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes - höher sollte in diesem Jahr das
tschechische Haushaltsdefizit nicht ausfallen. Dazu hatte sich Tschechien
gegenüber der Europäischen Kommission verpflichtet. Tatsächlich wird das
Minus aber bei stattlichen vier Prozent liegen. Im Juli wird die
Kommission in Brüssel über den tschechischen Weg zum Euro beraten.
Finanzminister Miroslav Kalousek (KDU-CSL) bereitet sich schon jetzt auf
einen ungemütlichen Auftritt vor:
"Wenn es dort keine Kritik an Tschechien gibt, dann wäre ich der überraschteste Mensch auf der Welt. Es lässt sich eine äußerst grundsätzliche und auch sehr berechtigte Kritik erwarten."
Fakt ist: Tschechien blickt auf ein jahrelanges außerordentliches Wirtschaftswachstum zurück. Die Nichterfüllung der Haushaltsverpflichtungen ist damit vor allem Zeichen politischer Unfähigkeit. Der im vergangenen Dezember beschlossene Haushalt zeigt deutliche Spuren des damaligen Tauziehens um die Regierungsbildung: Keine Seite war zu Einschnitten bereit, und das Fehlen einer starken Hand haben zahlreiche Abgeordnete genutzt, und Haushaltsgelder in ihre Wahlkreise zu leiten. Auf den Euro werden die Tschechen somit mindestens bis 2012 warten müssen. Und auch dieser Termin nur mit einem deutlichen Schnitt zu erreichen. Das geplante Allheilmittel: Die Steuer- und Finanzreform, mit der die ODS-geführte Koalition zugleich die Vertrauensfrage verbinden will. Finanzminister Kalousek:
Foto: Europäische Kommission
"Wenn die Reformen durchgehen, dann können wir einen Haushaltsentwurf
mit einem Defizit bis drei Prozent vorlegen. Wenn sie scheitern, dann wird
das wohl nicht gelingen. Das heißt, dass ich der Europäischen Kommission
schon vor den Verhandlungen über das Konvergenzprogramm am 7. Juli
entweder mitteilen kann, dass es im Parlament den Willen zu einer
deutlichen Senkung des Defizits gibt, oder ich muss als im Rücktritt
begriffener Minister eben erklären, dass es diesen Willen nicht
gibt."
Die geplanten Reformen der Koalition sind aber nicht nur zwischen den
politischen Lagern höchst umstritten. Auch ODS-Finanzexperte Vlastimil
Tlusty probt den Widerstand. Er sieht sein Konzept, ehedem das
Wahlflaggschiff seiner Partei, zur Unkenntlichkeit verwässert. Sollte es
keine Rückkehr zu den ursprünglichen Plänen geben, will Tlusty der Reform
seine Stimme verweigern. Mit Blick auf die knappen Mehrheitsverhältnisse
könnte es damit für die Regierung Topolanek eng werden.







