Tagesecho Industriebauten in Mittelböhmen als Touristenziel - neues Buch erschienen
Technische Sehenswürdigkeiten sind in den letzten Jahren in vielen Ländern Europas zu einem beliebten Touristenziel geworden. Auch in Tschechien setzt sich allmählich der Trend durch, fast vergessene und vernachlässigte Industriebauten wieder zu entdecken. Dazu soll ein Buch beitragen, das in diesen Tagen in Prag erschien. Es stellt die 100 interessantesten technischen und industriellen Bauten Mittelböhmens vor.
Die Gegend um die tschechische Hauptstadt Prag ist ein Netz von
Eisenbahnstrecken, wichtigen Straßen sowie Wasserwegen mit vielen
bewundernswerten technischen Bauten wie Brücken, Stau- und Wasserwerken.
In der Region wurden früher Silber, Kohle oder Sandstein gefördert. Viele
Industriebauten hängen mit der Förderung zusammen. Der fruchtbare Boden
der Gegend förderte wiederum die Errichtung vieler Bierbrauereien,
Zuckerfabriken und Mühlen. In Mittelböhmen hatten und haben teils auch
noch heute viele Industrieunternehmen ihren Stammsitz – so der
Autohersteller Škoda oder früher das Stahlwerk Poldi.
Über die Fabriken, Wasserwerke, Brücken und weitere Bauten erfährt man in dem neu erschienenen Buch. Architektin Eva Dvořáková vom Tschechischen Denkmalschutzamt, die zum Autorenteam gehört, meint, dass das Interesse für technische Sehenswürdigkeiten in Tschechien steigt:
„Technische Sehenswürdigkeiten und Industriebauten, die für Touristen
zugänglich sind, wurden in unser Buch natürlich miteinbezogen. Dazu
gehören beispielsweise das Bergbaumuseum in Příbram oder auch das
Freilichtmuseum Mayrau bei Kladno. Bauten, die im Buch beschrieben sind,
können auch für den Touristen interessant sein, der zufällig vorbeikommt
und aus dem Buch erfährt, dass dies beispielsweise die erste Spinnerei in
der Region war. Ein selbständiges Kapitel stellen die Brücken dar. Oft
geht man über eine Brücke, ohne etwas über sie zu wissen. Im Buch
erfährt man, dass die Brücke von Žampach die höchste Steinbrücke in
Mittelböhmen ist. In Poříčí nad Sázavou findet man wiederum die
längste Steinbrücke Mittelböhmens. Dank des Buches können auch diese
oft wenig beachteten Verkehrsbauten interessant für die Öffentlichkeit
werden.“
In ganz Tschechien gibt es etwa 40.000 Bauten und Anlagen, die unter Denkmalschutz stehen. Nur eine Minderheit davon - etwa 2.800 - sind jedoch technischer Art. Einige der im Buch vorgestellten Bauten wurden inzwischen repariert, weitere warten erst auf ihre Rettung. Eva Dvořáková:
Illustrationsfoto
„Die Objekte werden nicht dadurch gerettet, dass sie zu
Kulturdenkmälern erklärt werden. Die Rettung besteht darin, dass die
Gesellschaft ihnen Aufmerksamkeit schenkt und sich bemüht, ihnen neues
Leben einzuhauchen. Die alten Industriebauten können für kulturelle
Veranstaltungen genutzt werden oder zum Wohnen dienen. Natürlich kann
nicht alles in ein Museum verwandelt werden.“
Die populär-wissenschaftlichen Texte des im Titanic-Verlag herausgegebenen Buches sind durch 200 Farbfotos des führenden tschechischen Architekturfotografen Pavel Frič ergänzt. Um die Region zu propagieren, hat der Landkreis zudem einen Führer durch die technischen Sehenswürdigkeiten in tschechischer und englischer Fassung herausgegeben, der kostenlos ist.






