In Waldsteins Diensten: Diplomat Wilhelm Kinsky

Im Schloss in Benešov na Ploučnicí wurde eine Ausstellung über einen der namhaften ehemaligen Besitzer der Residenz eröffnet.

Ausstellung „Wilhelm Kinsky – ein Diplomat im Dienst von Albrecht von Waldstein“ (Foto: ČTK / Libor Zavoral)Ausstellung „Wilhelm Kinsky – ein Diplomat im Dienst von Albrecht von Waldstein“ (Foto: ČTK / Libor Zavoral) Graf Wilhelm Kinsky war in den Jahren 1630 bis 1634 Berater und Diplomat im Dienst des Generalissimus Albrecht von Waldstein. Im nordböhmischen Schloss Benešov na Ploučnicí / Bensen wurde am Freitag eine Ausstellung eröffnet, die Kinskys Schicksal dokumentiert.

Mit Musik wurden die Besucher der Ausstellung am Freitag im Oberen Schloss in Benešov na Ploučnicí begrüßt. Aber nicht nur das, mit dabei waren auch Darsteller von Graf Kinsky und Generalissimus Waldstein, gekleidet in prächtige historische Kostüme aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs.

„Er wünsche allen eine glänzende Zeit“, sagte der Feldherr im Hinblick auf die Ausstellung. Zu sehen sind dort Urkunden, Wappen sowie Gemälde. Zdeněk Henig ist Kastellan in Benešov nad Ploučnicí, das vom staatlichen Denkmalschutzamt verwaltet wird. Henig hat auch die Schau zusammengestellt.

Schloss Benešov nad Ploučnicí (Foto: Stanislava Brádlová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Schloss Benešov nad Ploučnicí (Foto: Stanislava Brádlová, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „In diesem Jahr lautet das Motto der Programme auf den Burgen und Schlössern: ,Der Adel aus den Böhmischen Ländern im Dienste der europäischen Diplomatie‘. Unser Schloss gehörte früher unter anderem den Familien Clary-Aldringen und Thun-Hohenstein, aus denen auch einige Diplomaten hervorgegangen sind. Aber Wilhelm Kinsky war der letzte Besitzer des hiesigen Schlosses, der aus einem alten böhmischen Adelsgeschlecht stammte. Das war der Beweggrund für die Ausstellung.“

Wilhelm Kinsky von Wchinitz und Tettau (tschechisch Vilém Kinský z Vchynic a Tetova) erbte zusammen mit seinen Brüdern das Schloss in Benešov, und zwar von seinem Onkel.

„Wilhelm Kinsky war eine höchst interessante Persönlichkeit. Erstens war er der erste aus dieser Adelsfamilie, der den Namen Vchynský in Kinský umänderte. Zweitens wurde er 1628 in den Grafenstand erhoben. Er war verschwägert mit Adam Erdmann Trčka von Lípa und mit Albrecht von Waldstein. Seit 1630 gehörte er zum diplomatischen Corps von Waldstein. Er führte Verhandlungen in Frankreich, Schweden und Sachsen, die gegen die Habsburger gerichtet waren. Der französische König Louis XIII. bot durch die Vermittlung von Kardinal Richelieu und Kinský sogar Waldstein die böhmische Krone an.“

Francesco Kinský dal Borgo vor dem Porträt von Wilhelm Kinsky (Foto: Martina Schneibergová)Francesco Kinský dal Borgo vor dem Porträt von Wilhelm Kinsky (Foto: Martina Schneibergová) Waldstein galt am Kaiserhof in Wien als Verräter. Aber auch Kinskys Tätigkeit für den Generalissimus blieb dem Herrscher nicht verborgen. Beide wurden zusammen mit nahen Verbündeten in Cheb / Eger am 25. Februar 1634 ermordet.

Zu den wertvollen Exponaten gehört eine Kopie der Urkunde, mit der Kaiser Ferdinand II. Wilhelm Kinsky in den Grafenstand erhoben hatte. Dieser habe die entsprechende Urkunde zum ersten Mal als „Kinský“ unterschrieben, erzählt der Kastellan. Er macht zudem auf ein Porträt von Wilhelm Kinsky in der Ausstellung aufmerksam. Das Originalgemälde befindet sich auf der Burg Kost, deren Besitzer Familie Kinský dal Borgo ist. Auch ein Vertreter dieser Adelsfamilie, Francesco Kinský dal Borgo, nahm an der Vernissage teil. Er sei in Italien aufgewachsen, seit fünf Jahren lebe er aber in Tschechien, erzählte Kinský dal Borgo.

Die Ausstellung mit dem Titel „Wilhelm Kinsky – ein Diplomat im Dienst von Albrecht von Waldstein“ ist in Benešov nad Ploučnicí bis 31. Oktober zu sehen.

„Es ist ein schönes Gefühl, an einem Ort zu sein, der mit meinen Vorfahren eng verbunden ist. Ich bin zum ersten Mal hier. Mein Großvater hat mir aber einst viel erzählt. Seitdem ich in Tschechien bin, befasse ich mich zunehmend mit der Geschichte.“