Tagesecho In Tschechien beginnt der musikalische Herbst
Mit letzten kräftigen Sonnenstrahlen hat sich am Wochenende der Sommer aus Tschechien verabschiedet, und auch im Musikleben hat bereits der Herbst begonnen. Der bringt traditionell eine Reihe renommierter internationaler Festivals. Gleich drei davon begannen am vergangenen Wochenende. Mehr von Thomas Kirschner.
Gustav Mahler
Das jüngste Festival machte am Freitag den Anfang: In Jihlava / Iglau
begann mit einem Streichkonzert auf dem Stadtplatz der 3. Jahrgang des
Gustav-Mahler-Festivals. An der feierlichen Eröffnung im Mahler-Haus nahm
auch die Enkelin des Komponisten Alma Mahler teil. Das Auftaktkonzert
bestritt dann am Abend des Symphonieorchester des Tschechischen Rundfunks
mit der Ouvertüre aus Beethovens Egmond und Malers 4. Symphonie. Das
Festival dauert noch bis zum 14. September und ehrt mit Gustav Mahler
einen der berühmtesten Söhne der Stadt. Zwar wurde Mahler 1860 in Kaliste
u Humpolce / Kalischt geboren, schon kurz nach der Geburt zog die Familie
aber nach Jihlava, wo er seine Jugend verbrachte.
Kronos-Quartett (Foto: Jan Blakesberg)
Einen Tag später, also am Samstag, wurden auch in der Hauptstadt Prag
"herbstliche Saiten" aufgezogen, so jedenfalls der Name des
Festivals, das bereits im 8. Jahr die starren Grenzen der Genres zu
überschreiten versucht und dem Publikum eine charakteristische Mischung
aus Jazz und Klassik, Tradition und Experiment bietet. Auch das
amerikanische Kronos-Quartett, das das Festival eröffnete, liegt auf
dieser Linie und ist weltweit bekannt für musikalische
Experimentierfreudigkeit und künstlerische Vision. Weiter geht es am 3.
Oktober mit einem Percussion-Crossover, bevor am 25. und 26. Oktober Uri
Caine mit seinem Ensemble und den Goldberg-Variationen den Schlusspunkt
setzen wird - und zwar in der St. Anna-Kirche in der Prager Alstadt.
Klassische chinesische Oper (Foto: www.pragueautumn.cz)
Nicht komplett wäre der Prager Musikherbst aber natürlich ohne das
Festival, das gerade diesen Namen trägt. Am Sonntag begann der 14.
Jahrgang des "Prager Herbstes", der noch bis zum 1. Januar über
20 Konzerte der verschiedensten Genres bietet. Neben klassischer Musik
werden auch Flamenco und symphonischer Rock erklingen. Einer der
Höhepunkte der diesjährigen Saison ist aber die Aufführung einer
klassischen chinesischen Oper. "Das Lied vom ewigen Liebesleid",
so der Titel, wird bereits heute abend für ungewohnte Klänge in der
Staatsoper sorgen. Passend zum Jahr der tschechischen Musik, das an
zahlreiche musikalische Jubiläen in Tschechien erinnern soll, liegt jedoch
der Schwerpunkt des Prager Herbstes auf heimischen Komponisten. Auch die
ausländischen Orchester werden daher jeweils ein tschechisches Werk in ihr
Programm aufnehmen. Den Anfang machte am Sonntag das Philharmonische
Orchester Monte Carlo mit Antonin Dvoraks Symphonie "Aus der neuen
Welt", aus der wir einen kleinen Ausschnitt vorbereitet haben.






