Tagesecho In Prag wird gegen Antisemitismus demonstriert
Die Zahl der Angriffe auf jüdische Einrichtungen ist im Jahre 2009 im Jahresvergleich um fast 50 Prozent gestiegen. Europaweit. Tschechien stellt zwar in diesem internationalen Maßstab eine positive Ausnahme dar, denn hierzulande wurde kein derartiger Anstieg verzeichnet. Um aber auf die Gefahr des sich verbreitenden Neonazismus und Antisemitismus rechtzeitig aufmerksam zu machen, organisieren einige christlich Organisationen in den nächsten Tagen in Prag eine Reihe von Veranstaltungen. Das Programm wurde am Mittwoch vorgestellt. Patrick Gschwend sprach darüber mit Martina Schneibergová.
Martina, warum wird gerade jetzt das „Wochenende gegen Antisemitismus“ veranstaltet?
"Es ist kein Zufall, dass die Veranstaltungen in den kommenden Tagen
stattfinden. Seit 2004 wird in Prag unter dem Motto „Wir sind alle
Menschen“ gegen den Antisemitismus und Neonazismus demonstriert.
Initiiert wurden die Demonstrationen von Anfang an von der christlich
orientierten Organisation der „Internationalen Botschaft Jerusalem“,
der Gesellschaft der Christen und Juden in Zusammenarbeit mit der
Föderation der jüdischen Gemeinden. Das Datum wird jedes Jahr um den Tag
Yom ha-Shoah gewählt. Das ist der jüdische Tag der Shoah und des
Heldentums. Der Tag der Shoah fällt nach dem hebräischen Kalender auf den
27. Tag des Monats Nissan. Das ist der Tag, der im Jahre 1943 dem 19. April
entsprach. An diesem Tag brach der Aufstand im Ghetto von Warschau aus."
Was steht diesmal auf dem Programm?
"Ähnlich wie in den vergangenen Jahren wird es am Sonntagnachmittag eine
Versammlung gegen den Antisemitismus im Waldstein-Garten geben. Während
der Versammlung wird u. a. der Holocaust-Überlebende Tommy Karas eine Rede
halten. Unter den weiteren Redern sind beispielsweise die stellvertretende
Bürgermeisterin von Jerusalem Naomi Tsur oder der israelische Boschafter
Jakov Levy. Es wird erwartet, dass auch Premier Jan Fischer kommt. Vor
dieser Versammlung wird es aber noch eine Demo oder einen Marsch gegen den
Antisemitismus geben. Dieser startet auf dem Altstädter Ring und führt
durch das jüdische Viertel auf den Palach-Platz am Moldauufer. Dort soll
es eine Tanzperformance zu sehen geben, bei der mit jüdischen und
christlichen Symbolen gearbeitet wird – hieß von einer der
Veranstalterinnen."
Das ist also das Programm am Sonntag. Du hast zuvor aber von dem ganzen Wochenende gesprochen?
"Ja, richtig. Denn schon am Freitag findet im Prager Magistrat eine internationale Konferenz zum Thema „Neonazismus und Antisemitismus und die Medien“ statt."
Das ist ein sehr breites Thema. Worauf will sich die Konferenz
konzentrieren?
"Ja, am Vormittag wird man sich mit der Lage in Tschechien befassen. Die
Grundlage für die Diskussion stellt eine Analyse ausgewählter Medien. Es
geht um den Zusammenhang zwischen fehlendem historischen Bewusststein und
dem Extremismus. Zu Wort kommen Politologen, Soziologen und auch
Journalisten. Am Nachmittag wird die Aufmerksamkeit auf die neuen Formen
des Antisemitismus und Antizionismus gelenkt. Unter den Teilnehmern sind
beispielsweise der britische Journalist Tom Gross oder der tschechische
Publizist Jan Fingerland."
Fotos: Autorin








