Tagesecho In Mlada Boleslav wurden bereits über 300 Soldatengräber exhumiert

08-09-2003 | Katrin Sliva

Über 300 Soldatengräber wurden in den vergangenen Wochen in der böhmischen Stadt Mlada Boleslav exhumiert. Warum diese Arbeiten durchgeführt werden, was mit den ausgegrabenen sterblichen Überresten geschehen soll und Einiges mehr hat Katrin Sliva im folgenden Beitrag zusammengetragen:

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Der "Neue Friedhof" in Mlada Boleslav wirkt nicht gerade wie eine idyllische Ruhestätte: Von drei Seiten umgeben ihn Gebäude des Skoda-Werkes, das in Mlada Boleslav seinen Sitz hat. Letzterem verdankt der Friedhof seine Mauern, die Skoda gespendet hat, nachdem es einen Teil des Friedhofsgeländes käuflich erworben hatte.

Zwischen Grabsteinen, die sowohl an Zivilpersonen als auch an gefallene Soldaten erinnern, hört man das Geräusch von Kleinbaggern und Arbeiter stehen in etwa zwei Meter tiefen Gruben, in denen sie vorsichtig Erde abtragen. Sie sind auf der Suche nach sterblichen Überresten deutscher Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg hier bestatten worden waren, und zwar in Einzel- aber auch in Massengräbern. Warum die Gebeine nun, also nach mehr als einem halben Jahrhundert, wieder ans Tageslicht befördert werden, haben wir ... Hipp vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gefragt:

"Wir betreiben hier in Tschechien eine humanitäre Aktion, die gesetzlich verankert ist in der Genfer Konvention. Die Soldatengräber sollten gemäß der Genfer Konvention gepflegt werden. Sie wurden aber nicht gepflegt und sind oberirdisch kaum noch als Gräber erkennbar. Die sterblichen Überreste sind vorgesehen für Umbettungen in der Tschechischen Republik, auf einem neuen Sammelfriedhof."

Im Augenblick werden die Gebeine aber noch in Papiersärgen aufbewahrt. Dann müssen Sie identifiziert werden, die Daten werden in Kassel und Berlin abgeglichen und wenn das alles geschehen ist, kann die Umbettung vollzogen werden - sobald eine geeignete Fläche dafür gefunden worden ist. Die Angehörigen der verstorbenen Soldaten haben dann Gelegenheit, das Grab zu besuchen, oder - dann auf eigene Kosten - die Überführung nach Deutschland zu beantragen. Insgesamt sollen sich auf dem gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei über 18 000 Gräber deutscher Kriegsgefallener aus dem 2. Weltkrieg befinden.

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