Tagesecho Hundert Tage Kulturminister Jandak
Jeder Politiker muss da durch: Die magischen Hundert Tage im Amt. Jetzt ist in der Tschechischen Republik der Kulturminister Vitezslav Jandak an der Reihe: Seine Arbeit der ersten drei Monate im Amt wird von Kommentatoren und Journalisten unter die Lupe genommen. Bara Prochazkova fasst zusammen.
Kulturminister Vitezslav Jandak (Foto: CTK)
Kulturminister Vitezslav Jandak ist kein Neuling im Rampenlicht der
Öffentlichkeit, denn bereits vor 30 Jahren spielte er im Film "Drei
Nüsse für Aschenputtel" mit. Der ehemalige Schauspieler wurde zum
Kulturminister ernannt, nachdem sein Amtsvorgänger Pavel Dostal nach einer
langen Krankheit im Sommer verstorben ist. Vitezslav Jandak hat jedoch nach
seinen ersten hundert Tagen im Amt keine eindeutige Note bekommen - die
Vertreter der Kirche loben ihn, die Künstler sparen nicht mit Kritik, nur
die Öffentlichkeit ist weitgehend begeistert. Jandak ist nach den neuesten
Umfragen des Meinungsforschungsinstitutes STEM der beliebteste tschechische
Politiker. 64 Prozent der Befragten bewerten ihn sehr positiv, um zwölf
Prozent mehr als zwei Monate zuvor. Jandak hat an dem Spitzenplatz in der
Beliebtheitsskala den tschechischen Premierminister Jiri Paroubek
abgelöst, der sich nun mit Platz zwei zufrieden geben muss. Einer der
Gründe, warum Jandak nun so schnell die Listen der Top-Politiker erobert
hat, erklärt der Direktor des Meinungsforschungsinstitutes STEM, Jan
Hartl:
"Auf die Popularität der Politiker hat es einen großen Einfluss, wie
klar und deutlich die Politiker im Fernsehen sprechen können und zwar in
der kritischen Länge von 15 Sekunden. Und gerade dies kann Herr Jandak als
ehemaliger Schauspieler sehr gut."
Der Popularität des Kulturministers wurde entscheidend davon beeinflusst, dass er klar, nicht aggressiv und im Volksmund spricht, schreibt die Tageszeitung Pravo. Jandak selber erklärt seine Beliebtheit damit, dass er sich unpolitisch und nicht traditionell verhalte, "drive" habe und voranschreite, indem er die Kultur schützen und "nicht in sie reinquatschen" wolle, so Jandak selber. Bei seinem Amtsantritt hatte er versprochen, er wolle dem Trend entgegenwirken, dass die Kultur immer weniger Geld vom Staatshaushalt bekomme. Weiterhin plante er einen neuen Dialog mit der Kirche und wollte finanzielle Mittel für die Sanierung der Denkmäler finden. Gerade mit vielen Plänen habe Jandak die Öffentlichkeit beeindruckt, er habe bisher jedoch keine wesentlichen Schritte unternommen, schreibt die Nachrichtenagentur CTK.
Direktor des Meinungsforschungsinstitutes STEM, Jan Hartl
Die Kirche freue sich, dass mit Jandak nach 15 Jahren politischen
Unwillens endlich ein Dialog über das Eigentum der Kirche entsteht,
äußerte sich der Prager Kardinal Miloslav Vlk. Auch Premierminister Jiri
Paroubek ist mit der Arbeit seines Kulturfachmanns zufrieden. Jandak hat
jedoch bereits auch negative Wellen geschlagen: Das Ministerium verlangte
zum Beispiel eine Haushaltserhöhung für das Filmfestival in Zlin, wo
Jandak vor seinem Amtsantritt als Direktor tätig war. Jandak sprach sich
auch gegen eine Erhöhung des Beitrags für die Unterstützung der
tschechischen Kinematografie beim Kauf einer Kinoeintrittskarte aus. Er
wolle nun eine andere Finanzquelle finden. Und die erwähnte Finanzierung
der Denkmäler? Norwegen solle dies aus den Erdöleinnahmen zahlen, so
Jandak. In den dortigen Denkmalfonds seien noch Gelder übrig und Norwegen
solle dies der Tschechischen Republik bereits angeboten haben.






