Tagesecho Huldigung an Prag: Jiří Sozanský stellt seine Werke aus
Prag hat schon viele Künstler inspiriert. So auch den tschechischen Maler, Graphiker und Bildhauer Jiří Sozanský, der sein ganzes bisheriges Leben in der Stadt gelebt hat. Sein neuestes Projekt heißt „Metropolis“. Der 65-jährige nonkonforme Künstler reagiert damit unter anderem darauf, wie Prag seit seiner Jugend der touristischen Kommerzialisierung unterlegen ist. Der Zyklus „Metropolis“ sowie weitere Werke Sozanskýs sind zurzeit in einer Ausstellung im Prager Stadtmuseum zu sehen.
J.Sozanský: „Veitsdom“
Neun expressive großformatige Gemälde, auf denen der Besucher einige
historische Ecken von Prag erkennt: Das ist der monumentale Zyklus
„Metropolis“, und er füllt den ganzen ersten Ausstellungssaal im
Stadtmuseum. Jiří Sozanský dachte anfangs, es werde eine Erholung, von
seiner Heimatstadt inspirierte Gemälde zu malen.
„Da habe ich mich aber sehr geirrt. Auch wenn ich Prag gut kenne, ist es gar nicht einfach nach etwa 45 Jahren ein Thema wieder aufzugreifen. Erstens bin ich heute jemand anderer als damals, und zweitens hat sich die Stadt seit den 1960er Jahren bedeutend verändert. Jeder empfindet Prag als eine Art Logo, das im Tourismus genutzt wird. Vor allem Orte, die mir schon immer gefallen haben und die mich interessiert haben, sind durch die unzähligen Ansichtskarten und Fotos aus der Werbung bekannt geworden. Darum war die Arbeit an den Gemälden für mich nicht leicht. Während des Malens bekam ich Lust, eine Plastik des Veitsdoms zu machen. Damit habe ich eine weitere Dimension des Projekts geöffnet. Und die Kathedrale ist auch das Thema, das den Zyklus dominiert.“
Aus dem Zyklus „Auferstehung“
Die neue bronzene Plastik des Veitsdoms ist im zweiten Saal des Museums
untergebracht, zusammen mit einigen älteren Werken, darunter der
bronzenen
Kreuzigung aus dem Jahr 1975. Zu sehen sind auch seine Graphiken und
Zeichnungen zu biblischen Themen:
Plastik des Veitsdoms (Foto: Autorin)
„Ich habe mich nach 1968 intensiv mit biblischen Themen
beschäftigt.
Dies war eine Reaktion auf den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes
in die Tschechoslowakei und auf den Tod von Jan Palach. Das Interesse für
die biblischen Themen ist bis heute in mir irgendwo verwurzelt. Meine
älteren Werke haben zudem eine Beziehung zu meiner Jugend, als ich als
Junge Kirchen besucht und mich vor allem die Altarbilder interessiert
haben. Auf diesen Bildern dominiert das Leiden der Heiligen. Die Zyklen
von
Zeichnungen zu diesem Thema, die hier zu sehen sind, habe ich einst das
´Martyrium der Heiligen´ und die ´Auferstehung´ genannt.“
Aus dem Zyklus „Martyrium der Heiligen“
Die Ausstellung aus dem Werk von Jiří Sozanský ist im Museum der
Hauptstadt Prag bis zum 11. September dieses Jahres zu sehen. Das Museum
ist täglich außer montags von 9 bis 18 Uhr geöffnet.








