Tagesecho Hrádec Králové lebt im Zeichen des 16. Festivals „Theater der europäischen Regionen“
Überall Theater, wo man nur hinblickt. So präsentiert sich zurzeit die ostböhmische Stadt Hradec Králové / Königgrätz. Seit Beginn dieser Woche findet dort nämlich das 16. Festival „Theater der europäischen Regionen“ statt.
Schauspielerin Lenka Novotná (Foto: ČTK)
Bis zum 30. Juni werden sich in Hradec Králové Theaterensembles aus 13
Ländern in fast 250 Vorstellungen präsentieren. Und dies nicht nur in den
Theatern und Kulturzentren der Stadt, sondern auch in
Open-Air-Vorstellungen auf der Straße, im Park oder im Zelt. Dominika
Špalková, Leiterin des Open-Air-Programms:
„Wir wollten auch solche Genres vorstellen, die normalerweise nicht so viel Spielraum wie das klassische Theater bekommen. Daher ist hier zum Beispiel das ´story-telling -´, also Erzähltheater oder Bewegungstheater vertreten, das Kabarett und der so genannte `neue Zirkus´.“
Klicpera-Theater in Hradec Králové
Eine neue Kunstrichtung also, die eine Mischung aus Artistik, Theaterkunst
und Livemusik bietet. Das Festival wurde jedoch mit einem eher klassischen
Stück eröffnet, nämlich mit „Ptákovina“ von Milan Kundera. Das von
den Kommunisten verbotene Drama erlebte im September 2008 nach fast 40
Jahren seine erneuerte Premiere. Das Prager Theater „Činoherní klub“
spielte es am Montag in Hradec Králové. Im Publikum saß auch der
ehemalige Kulturminister, Schriftsteller und Dramatiker, Milan Uhde. Hier
seine Einschätzung:
Milan Uhde
„Ich habe ein bisschen befürchtet, dass dieses Stück tief in der
totalitären Zeit verankert ist. Seine Handlung reflektiert schließlich
jene Zeiten. Es zeigt sich aber, dass es in diesem Stück vor allem um
einen Konflikt zwischen wahnsinnigen Prinzipien geht, die für den Menschen
typisch sind. Dieses Motto hat Kundera mit der schonungslosen Akribie eines
großen Dramatikers aufgegriffen und weiter ausgebaut. Man hätte das 16.
Theaterfestival der europäischen Regionen kaum besser eröffnen
können.“
Schauspieler Jan Švec (Foto: ČTK)
Neben klassischen Theaterstücken werden in Hradec Králové auch
unkonventionelle Projekte präsentiert. So hat man zum Beispiel versucht,
den in drei Ländern bekannten Volksräuber Jánošík in einem
tschechisch-slowakisch-polnischen Theaterprojekt neu zu beleuchten.
Ladislav Zeman, Direktor des Klicpera-Theaters in Hradec Králové sagt
dazu:
„Internationale Projekte, bei denen sich ein Schauspieler aus einem Land, ein Regisseur aus einem anderen Land und weitere Ensemblemitglieder aus einem dritten Land zusammentun, kommen hier vor Ort zustande. Und dabei werden künstlerische sowie freundschaftliche Kontakte geknüpft.“
Ladislav Zeman
Das 16. internationale Festival „Theater der europäischen Regionen“
stellt traditionell den Höhepunkt der laufenden Spielsaison in Tschechien
dar, die traditionsgemäß am 30. Juni zu Ende geht. Im Vorjahr sind fast
60 000 Besucher gekommen. Diesmal rechnet man mit einer noch höheren
Anzahl der Theaterfans.








