Tagesecho Hotline und Außendienstler: Tschechische Kriegsveteranen erhalten mehr Fürsorge
Man sagt, Mütter kümmern sich intensiver um ihre Kinder und Frauen hätten eh das bessere Gespür für die Sorgen und Nöte ihrer Familienangehörigen. Vor diesem Hintergrund war man nach der letzten Regierungsbildung in Tschechien besonders gespannt, was eine Frau an der Spitze einer ausgesprochenen Männerdomäne, dem Militär, wird bewirken können. Und siehe da, Verteidigungsministerin Vlasta Parkanova erweist sich wirklich als Mutter der Kompanie, indem sie die Fürsorge erhöht für die ihr Anvertrauten. In erster Linie für die Kriegsveteranen.
"Eine Schätzung besagt, dass es sich um zirka 3500 Personen
handelt,
aber wir denken, dass diese Zahl leider nicht der Realität entspricht. Wir
gehen deshalb davon aus, dass hierzulande noch 1500 bis 2000
Kriegsveteranen leben, denen wir gern helfen möchten", sagte
der
stellvertretende Verteidigungsminister Radek Smerda am Dienstag auf einer
Pressekonferenz in Prag. Denn, so Smerda weiter, diese Kriegsveteranen
seien allesamt schon im hohen Alter von 80 und mehr Jahren und sollten
daher einfach weit besser als bisher unterstützt werden, um ihre verdiente
Fürsorge auch in Anspruch nehmen zu können. Zu dieser Fürsorge gehören zum
Beispiel co-finanzierte Kur- und Erholungsaufenthalte, Rentenzuschläge
oder ein unentgeltlicher Pflegedienst. Nur, und das sei das bisherige
Kernproblem, viele der alten Kämpen wüssten fast gar nichts über die
Vorzüge, die ihnen zur Verfügung stehen, oder darüber, wie man
ihre Gewährleistung beantragen muss. Eine Tatsache, die das Mitglied des
Verbandes der tschechoslowakischen Legionäre, Brigadegeneral a. D.
Miloslav Masopust, zu bestätigen wusste:
"Viele Kriegsveteranen wissen nicht, dass es für sie eine Hotline gibt, dass sie Vergünstigungen beantragen können und andere Dinge."
Die von Masopust angesprochene Hotline wurde auf der Pressekonferenz feierlich eingeweiht. Und kein Anderer als der 82-jährige ehemalige Panzer-Flakschütze Masopust selbst durfte die neue Hotline erstmals ausprobieren:
"Ich möchte in das Kurbad nach Karlovy Vary, aber ich weiß
nicht, was
ich dafür tun muss...", fragte der rüstige Mitachtziger und
erhielt
während der Live-Schaltung auch prompt Auskunft von einer Mitarbeiterin
der dem Verteidigungsministerium angegliederten Service-Organisation
Volareza, die diese Hotline betreibt. Aber nicht nur das. Darüber hinaus
baut Volareza auch ein Netz mit 70 Mitarbeitern für den so genannten
Außendienst auf. Damit soll sichergestellt werden, dass die Betreuung der
Kriegsveteranen keine rein institutionelle, sondern vor allem auch eine
sehr persönliche Angelegenheit ist. Und die Leiterin der Abteilung
Fürsorge für Kriegsveteranen beim Verteidigungsministerium, Yvetta
Hlasecka, verriet auch gleich, was die erste Aufgabe der
Außendienst-Mitarbeiter sein wird:
"Die Hauptaufgabe in der ersten Phase wird sein, festzustellen, wie viele Kriegsveteranen es noch gibt, in welchem Gesundheitszustand sie sich befinden und welche aktuellen Bedürfnisse sie haben."
Wie eingangs und Ausgangs des Beitrags zu hören war, sind es wohl doch die Frauen, die die Fürsorge um das Wohlbefinden ihrer Mitbürger schneller und unbürokratischer als die Männer auf den Weg bringen.





