Tagesecho Holocaust-Leugner David Duke aus Tschechien ausgewiesen
Die tschechischen Behörden haben David Duke des Landes verwiesen. Das ehemals führende Mitglied des rassistischen Ku-Klux-Klan war am vergangenen Freitag zu einer Autorenreise nach Tschechien gekommen, um sein Buch „Mein Erwachen“ vorzustellen. In dem Buch sind Passagen enthalten, die als Leugnung des Holocaust interpretiert werden können.
David Duke
Die Polizeibehörden verdächtigen Duke, eine Bewegung zu unterstützen
und
zu propagieren, die auf die Unterdrückung der Menschenrechte und
Grundfreiheiten hinwirkt. Diese Straftat kann gemäß dem tschechischen
Recht mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden. Duke war von
Angehörigen der Neonazi-Gruppe „Národní odpor“ / „Nationaler
Widerstand“ eingeladen worden. Bei drei Vorträgen in Prag und Brünn
wollte er die tschechische Übersetzung seiner Autobiographie „Mein
Erwachen“ vorstellen. Innenminister Ivan Langer und der Minister für
Menschenrechte und Minderheiten, Michael Kocáb, verurteilten das Vorhaben
schon vorab. Deutliche Worte fand auch der designierte Premierminister,
Jan
Fischer:
„Ansichten von solchen Leuten wie David Duke sind für mich absolut inakzeptabel und unbegreiflich. Sie sind mir persönlich zuwider, erwarten Sie daher von mir keine andere Äußerung. Selbstverständlich wird sich meine Regierung mit der Problematik des erstarkenden Neonazismus befassen.“
Ivan Langer (Foto: ČTK)
Zu Dukes öffentlichen Auftritten in Tschechien kam es nicht. Den ersten
Vortrag, der an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der
Karlsuniversität gehalten werden sollte, unterband die
Universitätsleitung. Kurz nach der Ankunft in Tschechien am Freitag wurde
Duke dann in der Prager Altstadt in polizeilichen Gewahrsam genommen.
Neonazis hatten ihm in einem Restaurant einen festlichen Empfang bereitet.
Die Polizei stützte sich bei der Festnahme auf Ermittlungen zu seinem
Buch
„Mein Erwachen“. Sie hatte es auf gesetzeswidrige Inhalte überprüft
und Passagen gefunden, die als Leugnung des Holocaust ausgelegt werden
können.
Am Samstag wurde der seit Jahren als Schlüsselfigur der internationalen Vernetzung von Neonazis und Antisemiten bekannte David Duke dann des Landes verwiesen. Die Behörden kündigten an, auch Ermittlungen gegen den Herausgeber von Dukes Buch in Erwägung zu ziehen. Dies ist der Verlag Kontingent Press.
Michael Kocáb (Foto: ČTK)
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die wachsende Aktivität von
Neonazis und anderen Rechtsextremen in Tschechien. Minister Kocáb wandte
sich in diesem Zusammenhang gegen Pläne des designierten Premiers, das
Ministerium für Menschenrechte und Minderheiten in der
Übergangsregierung
auf den Posten eines Regierungsbeauftragten zurückzustufen:
„Ich betrachte die Aufhebung des Ministerpostens für Menschenrechte als unglücklichen Schritt. Es wäre gut, wenn Premier Fischer das noch einmal überdenken würde. Denn die derzeitige Situation legt alles Mögliche nahe, nur nicht einen solchen Schritt.“
Untätig blieb die rechtsextreme Szene auch am vergangenen Wochenende
nicht. 70 Neonazis protestierten vor dem Innenministerium in Prag gegen
die
Ausweisung von David Duke, und auch in der nordböhmischen Stadt Krupka
marschierten Rechtsradikale auf.








