Tagesecho Hoher Anstieg des Reallohns in Tschechien wird 2008 keine Fortsetzung finden
Es ist jedes Jahr das gleiche Spiel: die Preise steigen, also sollten folglich auch die Löhne wachsen. In Tschechien aber sind die diesjährigen Lohnerhöhungen mit durchschnittlich 7,6 Prozent relativ hoch ausgefallen. Mit der Konsequenz, dass das monatliche Durchschnittsverdienst im Land auf umgerechnet 800 Euro geklettert ist.
Der „Durchschnittstscheche“ erhält einen Monatslohn von 21.470 Kronen
– das sind über 1500 Kronen mehr als vor einem Jahr und entspricht dem
höchsten Lohnzuwachs der vergangenen sechs Jahre.
„Dieser Lohnanstieg ist auf zwei Faktoren zurückzuführen: zum einen auf die leistungsstarke Wirtschaft, die weiterhin einen Zuwachs von rund sechs Prozent verzeichnet, und zum anderen auf den Arbeitskräftemangel. Die Firmen müssen sich immer mehr damit auseinandersetzen, dass sie keine fachlich ausgebildeten oder anderweitig qualifizierten Arbeitskräfte mehr auf dem Markt finden“, erklärt David Navratil, der Analytiker der Tschechischen Sparkasse.
Um gute Arbeitskräfte zu halten oder neue anwerben zu können, mussten
die meisten Unternehmen also beim Lohn einiges drauflegen. Die nach wie vor
höchsten Gehälter werden im Banken- und Finanzsektor gezahlt. Hier
erhielten die Arbeitnehmer im dritten Quartal dieses Jahres im Schnitt
37.600 Kronen im Monat, was einem Betrag von 1400 Euro entspricht. Zu den
Geringverdienern hingegen gehören Fischer und Fischzüchter, die sich mit
etwas über 15.000 Kronen begnügen mussten, also einem Monatssalär von
gerade mal 560 Euro. Und auch örtlich geht die Schere weit auseinander.
Wie nicht anders zu erwarten, wird in Prag weiterhin am besten verdient.
Das Bruttomonatsgehalt ist hier inzwischen bei etwas über 26.500 Kronen
angelangt.
Foto: Europäische Kommission
Nach dem aktuellen Kurs der Krone kann der
„Durchschnittsprager“ sich nun bereits als Eintausend-Euro-Verdiener
bezeichnen. Die Mehrzahl der hauptstädtischen Arbeitnehmer aber kann sich
dazu noch nicht zählen. Und so unterschiedlich wie die Lohntüten in Prag
gefüllt sind, so abweichend sind auch die Verdienstmöglichkeiten in den
übrigen Regionen des Landes. Im Landkreis Karlovy Vary / Karlsbad sind sie
am niedrigsten. Die hier im Schnitt gezahlten 18.000 Kronen entsprechen
einem Monatslohn von knapp 670 Euro.
Aber genug der Beispiele. Reell ist ohnehin nur das, was man sich für sein Geld auch leisten kann. Nach Abzug der Inflation hat sich der Reallohn im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent erhöht. Das ist immer noch eine ganze Menge, aber eher wohl die Ausnahme. Denn im kommenden Jahr, für das bereits mehrere Preiserhöhungen angekündigt wurden, wird sich dieser Trend nur schwer fortsetzen lassen, meint die Ökonomin der Raiffeisenbank, Helena Horska:
„Der Anstieg der Löhne in Tschechien wird sich auch im kommenden Jahr
mit solidem Tempo fortsetzen. Dieser Lohnzuwachs wird allerdings durch eine
Vielzahl von Preiserhöhungen beschnitten werden. Die Inflationsrate wird
folglich weitaus höher sein als in diesem Jahr, so dass sich die Kaufkraft
der Bevölkerung nur unwesentlich erhöhen dürfte.“





