Tagesecho „Hofer Dialog“ – Treffen von tschechischen und deutschen Innenministern in Bayern
Schon lange beschweren sich die tschechischen Autofahrer, an der Grenze zu Deutschland ständig kontrolliert zu werden. Die deutschen Sicherheitsbehörden beklagen dagegen die Zunahme des Drogenschmuggels. Grund genug für ein Gipfeltreffen der Innenminister Tschechiens und Deutschlands am Montag im bayerischen Hof.
Hans-Peter Friedrich (Foto: Henning Schacht, Creative Commons 3.0)
Seit dem Jahr 2000 gibt es sie: die grenzübergreifende Zusammenarbeit der
bayerischen, der sächsischen und der Bundespolizei mit den Kollegen auf
der tschechischen Seite. Generell sind beide Seiten voller Lob über die
gute und erfolgreiche Zusammenarbeit. Nun wurde auch ein Vertrag auf
politischer Ebene geschlossen und entschieden, das bestehende
Polizeiabkommen aus dem Jahr 2000 zu erneuern. Obwohl die allgemeine
Kriminalität zurückgehe, sieht der deutsche Bundesinnenminister
Hans-Peter Friedrich aber auch Probleme:
„Es gibt einen besorgniserregenden Zuwachs von Rauschgifthandel und Rauschgiftschmuggel im Grenzbereich und darüber hinaus. Das macht uns unruhig, aber wir sind gleichzeitig guten Mutes, dass die sehr gute Zusammenarbeit zwischen deutschen und tschechischen Sicherheitsbehörden dazu beitragen wird, dieser Situation Herr zu werden.“
Crystal Speed
Es geht dabei um Pervitin, in Deutschland auch Crystal Speed oder Crystal
Meth genannt, das in Tschechien produziert und wegen des höheren Gewinns
in Deutschland verkauft wird. Um dem entgegen zu wirken, soll der
Fahndungsdruck im Grenzgebiet erhöht werden. Ein Mittel dazu sollen
gemeinsame Streifen von tschechischen und deutschen Polizisten sein, wie
der bayerische Innenminister Joachim Herrmann erklärt:
„Wir haben im vergangenen Jahr 125 gemeinsame Streifen durchgeführt. Es ist die feste Absicht, gemeinsam mit unseren tschechischen Kollegen die Zahl dieser gemeinsamen Streifen im Jahr 2012 noch einmal deutlich zu erhöhen.“
Jan Kubice
Erhöhter Fahndungsdruck bedeutet aber auch vermehrte Kontrollen. Das aber
ist etwas, was gerade die Reisenden aus Tschechien ärgert. Der ehemalige
tschechische Innenminister Radek John hatte seinen Landsleuten sogar
einmal
empfohlen, Deutschland als Reise- und Transitland zu meiden. Auf eine
Verringerung der Kontrollen wollten sich die deutschen Verantwortlichen
aber nicht einlassen, Innenminister Jan Kubice konnte seinem deutschen
Kollegen dennoch ein Zugeständnis abtrotzen:
„Ich habe mich bei den Verhandlungen darum bemüht, dass die Kontrollen künftig von Beamten in Uniformen und regulären Streifenwagen durchgeführt werden. So können die tschechischen Bürger sicher gehen, dass es sich wirklich um Polizisten, Zöllner oder andere Sicherheitsorgane der Bundesrepublik handelt.“
Bisher werden die Kontrollen nämlich meistens von Zivilbeamten
durchgeführt. Das hatte, zusammen mit der Vielzahl der beteiligten
Behörden auf deutscher Seite, oftmals zur Verunsicherung der
tschechischen
Reisenden geführt.
Bei einem immer noch vorhandenen Defizit in der Kommunikation versucht nun die tschechische Polizei ihren deutschen Kollegen zu helfen, so der bayerische Innenminister Herrmann:
„Tendenziell gibt es wesentlich häufiger tschechische Polizisten, die Deutsch können als bayerische Polizisten, die Tschechisch können. Mit einer Vereinbarung, die im Dezember unter Dach und Fach gebracht wurde, ist es nun künftig möglich, dass bayerische Polizisten in einer tschechischen Polizeischule kostenlos tschechischen Sprachunterricht genießen können.“
Beide Seiten wollen sich in einem Jahr erneut treffen, um dann beim zweiten „Hofer Dialog“ die Ergebnisse der Zusammenarbeit zu bewerten.






