Tagesecho Hochwasser im Mittelböhmischen Museum in Roztoky bei Prag
Roztoky bei Prag ist eine malerische Villengemeinde im Moldau-Tal, nur ein paar Kilometer von Prag entfernt. Mit ihrem Schloss, in dem das Mittelböhmische Museum untergebracht ist, war sie ein beliebtes Ausflugsziel der Metropolebewohner. Sie war - die Vergangenheitsform passt hier leider. Denn auch Roztoky wurde vom Hochwasser stark beschädigt. Markéta Maurová hat den Ort besucht.
Mittelböhmisches Museum in Roztoky
Die archäologische Ausstellung, die 1998 errichtet und als eine "Reise in
die Urzeit" gestaltet wurde, das Atelier der Malerin Zdenka Braunerova,
zahlreiche Wechselausstellungen und Begleitprogramme für die Öffentlichkeit,
aber auch etwa das angenehme Schlossrestaurant: Dies alles lockte bis Mitte
August viele Besucher nach Roztoky bei Prag. Nichts davon gilt heute noch.
Am 14. August kam das Hochwasser, und die Lage am Zusammenfluss der Moldau
und des Unetice-Baches wurde für das Museum schicksalhaft, wie uns der
Leiter der Archäologie-Abteilung, Pavel Senkot bestätigte.
"Diese topographische Lage ist für uns jetzt ein großes Handicap. Die große Flutwelle, die während einer Nacht zu uns gekommen ist, reichte 4 bis 7 Meter hoch. Es wurden dadurch unser Hauptgebäude, d.h. das Schloss bis zum ersten Stockwerk, und andere Gebäude, wo wir Depots, Büros und weitere Arbeitsstellen haben, wurden bis zum zweiten Stockwerk überschwemmt."
Mittelböhmisches Museum in Roztoky nach dem Hochwasser
Bis zur letzten Minute bevor die Flutwelle kam, versuchten
Museumsmitarbeiter, die Ausstellungsgegenstände zu retten. Bei der
archäologischen Sammlung gelang dies zum Großteil, zerstört wurde jedoch
deren Installation im Erdgeschoss des Schlosses, und stark beschädigt wurden
alle Gebäude des Museums. Große Schäden entstanden auch an Restaurierungs-
und Konservierungswerkstätten, die eine Spezialisierung des Museums Roztoky
waren.
"Z.B. das Labor für Holz war, ich erlaube es mir zu sagen, eines der modernsten in Europa. Wir haben dort mit Gamma-Strahlen große Menge von Holzartefakten, d.h. Möbel, Bibliotheken usw. behandelt. Das ist alles weg. Und außerdem haben wir Anfang der 90er Jahre von der Schweizer Regierung eine phantastische Ausstattung eines Labors für die Behandlung von Eisengegenständen als Geschenk bekommen. Das war etwas, was uns sehr geholfen hat und fast 5 Millionen Kronen wert war von. Wir haben versucht, das alles zu retten, natürlich, aber es war nicht in menschlichen Kräften, das zu retten."
Mittelböhmisches Museum in Roztoky nach dem Hochwasser
Wenn man heute nach Roztoky kommt, trifft man die dortigen Mitarbeiter, aber
auch freiwillige Helfer bei Aufräumarbeiten. Der Schlamm wurde aus den
Räumen bereits hinausgetragen, nun muss alles gereinigt und renoviert
werden. Man hofft, im Frühling wieder öffnen zu können.
"Wir werden alles machen, um unsere Arbeit und Tätigkeit in der nächsten Saison wieder aufzunehmen. Es ist unser Ziel, es ist unsere Aufgabe, es ist unser Traum."
Soweit Pavel Senkot. Mehr über die Hochwasserkatastrophe im Mittelböhmischen Museum in Roztoky erfahren Sie in der Touristensprechstunde in der kommenden Woche. Auf unserer Webseite finden Sie dann Photos, die die Vernichtung dokumentieren, aber auch die Nummer eines Kontos, auf das man Geldspenden zur Rettung der mittelböhmischen Denkmäler schicken kann.






