Tagesecho Hochschulreform: Keine Studien- sondern Einschreibegebühren
Es war ein heißes Thema im Winter und Frühling: die geplante Hochschulreform der Regierung Nečas. Der damalige Bildungsminister Josef Dobeš hatte ein Gesetz vorbereitet, nach dem kreditfinanzierte Studiengebühren eingeführt werden und die Universitäten Teile ihrer Autonomie an einen Hochschulrat abtreten sollten. Die Studenten protestierten daraufhin gegen die drohenden finanziellen Belastungen, die Akademiker hatten Angst um die Freiheit der Forschung. Am Donnerstag nun hat Petr Fiala, amtierender Bildungsminister, die Reform abgeblasen.
Petr Fiala (Foto: ČTK)
Ob es nun ein Erfolg der Studentenproteste oder eine Neubewertung des
Vorhabens durch Bildungsminister Petr Fiala war, lässt sich schwer
beurteilen. Auf jeden Fall ist das umstrittene Gesetzesvorhaben zur
Einführung von Studiengebühren erst einmal vom Tisch. Am Donnerstagabend
nach der Sitzung der Hochschulrektorenkonferenz erklärte der
Bildungsminister:
„Wir werden mit der Ausarbeitung der Reformen weitermachen. Aber wir werden das Gesetz nicht so ausarbeiten, dass es zur Einführung von Studiengebühren kommt. Wir werden es stattdessen so konzipieren, dass es jenen Studenten finanzielle Unterstützung ermöglicht, die Hilfe für ihren Lebensunterhalt während des Studiums brauchen.“
Aus der Einführung von Studiengebühren soll nun also eine Art Stipendiensystem werden – diese sollen aber kreditfinanziert sein. Ganz abrücken von einem finanziellen Beitrag der Studenten wollte der Minister aber nicht:
„Wir müssen irgendwie den finanziellen Erfordernissen mit einer
Beteiligung der Studenten entgegenkommen. Da möchte ich über eine so
genannte Einschreibegebühr sprechen. Ich tendiere zu einer Reformierung
der gesamten Gebührenordnung, wie sie derzeit im Hochschulgesetz
festgelegt ist. In diesem Rahmen möchte ich mich mit der
Einschreibegebühr befassen.“
Wie hoch die neue Einschreibegebühr sein soll, darüber sprach Fiala indes nicht. Die Sorgen der Akademiker um die Freiheit der Forschung versuchte der Chef des Bildungsressorts auszuräumen:
Foto: Griszka Niewiadomski, Stock.xchng
„Ich erwarte eine breite Zusammenarbeit mit den Vertretern der
Hochschulen und mit der Fachöffentlichkeit. Ich möchte alle weiteren
Schritte mit den Akteuren der Hochschulpolitik diskutieren. Ich glaube, wir
finden eine Lösung, die für das tschechische universitäre Bildungssystem
die beste sein wird.“
Eine Reform durch mehr Einbindung und Kommunikation also. Die Gegner der Hochschulreform hatten genau dies Fialas Amtsvorgänger Dobeš immer vorgeworfen: mangelnde Kommunikation und fehlendes Mitspracherecht.






