Tagesecho Hochsaison: Der Tschechische Kammermusikverein präsentiert…
Seit 1894, seinem Gründungsjahr, ist der Tschechische Kammermusikverein (Český spolek pro komorní hudbu) nicht nur fester Bestandteil der hiesigen Musikszene, er prägt sie auch. Seine Konzertreihen zieren immer wieder Namen von Künstlern mit internationalem Renommee. Am Montag trat zum Beispiel der deutsche Pianist Gerhard Oppitz im Prager Rudolfinum auf. Christian Rühmkorf sprach mit dem Dramaturgen des Tschechischen Kammermusikvereins, Ludvík Kašpárek, was das Publikum in dieser Saison noch zu erwarten hat.
Gerhard Oppitz
Ludvík Kašpárek, der Tschechische Kammermusikverein ist Teil der
Tschechischen Philharmonie. Er hat eine Tradition, die bis ins ausgehende
19. Jahrhundert zurückreicht. Sie präsentieren vor allem namhafte
tschechische Künstler, können aber auch immer wieder Musiker von
internationalem Rang nach Prag einladen. Heute haben Sie beides zu bieten,
ein tschechisches Ensemble und einen ausländischen Gast. Was steht im
Dvořák-Saal auf dem Programm?
Ludvík Kašpárek
„Wir haben heute Abend das herausragende Afflatus Quintett eingeladen,
das 1997 den renommierten internationalen ARD-Wettbewerb gewonnen hat und
zu den Spitzen-Blasensembles auf der Welt gehört. Im kommenden Jahr wird
das Afflatus Quintett voraussichtlich auch unser Residenz-Ensemble sein.
Heute Abend tritt es mit dem ausgezeichneten deutschen Interpreten Gerhard
Oppitz auf. Es ist eine Ehre für uns, dass dieser fabelhafte Pianist bei
uns mit dem Afflatus Quintett auftritt. Diese Zusammenarbeit ist für den
Tschechischen Kammermusikverein von großer Bedeutung, denn er hat seit
jeher wichtige Künstler eingeladen, wie zum Beispiel Sergej Prokofjew,
Igor Strawinsky, Mstislaw Rostropowitsch und viele andere. Sie alle waren
in der über einhundertjährigen Tradition des Kammermusikvereins zu
Gast.“
Afflatus Quintett (Foto: CEMA)
Welche Komponisten werden denn heute Abend gespielt?
„Es sind insgesamt vier Komponisten. Der Franzose Jean-Michelle Damase, Helmut Eder mit seinem Blasquintett ´Begegnung´, Francis Poulenc und Ludwig van Beethoven. Die herausragende Komposition an diesem Abend ist sicher Beethovens Quintett, wo abermals, wie in der gesamten zweiten Hälfte des Programms, Gerhard Oppitz auftreten wird.“
Welche Highlights stehen denn noch auf dem Programm in dieser 116. Saison, die der Tschechische Kammermusikverein ja gerade über die Bühne bringt?
Ensemble Orbis Trio (Foto: Archiv der Tschechischen Philharmonie)
„Wir haben noch etwa die Hälfte der Saison vor uns, und bis Ende April
präsentieren wir noch 16 Konzerte. Zum Beispiel das Kocian-Quartett, das
in diesem Jahr unser Residenz-Ensemble ist. Es tritt am 19. Januar mit dem
Pianisten Boris Krajný auf. Das Interessante daran: Sie spielen eine
Kammerversion von Chopins zweitem Klavierkonzert, das ja normalerweise mit
Orchester aufgeführt wird. Für uns von besonderer Bedeutung ist der 200.
Geburtstag des Prager Konservatoriums. Auch wir nehmen das zum Anlass, zwei
Konzertabende zu veranstalten – im April mit dem Kammerorchester des
Konservatoriums und im Februar mit dem Tschechischen Trio, das aus Lehrern
des Prager Konservatoriums besteht. Das Programm ist vor allem deshalb
bemerkenswert, weil es Kompositionen dreier Direktoren des Konservatoriums
präsentiert: von Antonín Dvořák, Josef Suk und dem gegenwärtigen
Direktor Pavel Trojan, dessen Klavier-Trio seine Premiere erleben wird. Und
ein letztes Highlight: Der Tschechische Kammermusikverein vergibt jedes
Jahr einen Preis. In diesem Jahr wurde das junge Ensemble Orbis Trio
ausgezeichnet, und das präsentiert sich mit einem eigenen Konzert am 14.
Februar im Dvořák-Saal.“
Ludvík Kašpárek, Dramaturg des Tschechischen Kammermusikvereins, herzlichen Dank für das Gespräch.






