Hochgiftig und schwer nachzuweisen: Drogenküchen als Belastung für die Umwelt

Drogenküchen sind ein großes Problem in Tschechien. Und das nicht nur für Süchtige und Suchtgefährdete. Durch die Chemikalien wird auch die Umwelt immer mehr in Mitleidenschaft gezogen. Darauf macht jetzt die staatliche Anti-Drogenbehörde aufmerksam.

Foto: Archiv der tschechischen PolizeiFoto: Archiv der tschechischen Polizei Die Operation Kiwi war einer der größten Schläge gegen illegale Drogenküchen in Tschechien in der jüngsten Zeit. 17 Menschen wurden dabei verhaftet, unter ihnen vor allem Vietnamesen. Sie haben vor allem Crystal Meth hergestellt – die Rohstoffe dazu kommen aus Polen, verkauft wird der Stoff dann aber in erster Linie in Deutschland.

Bei den Einsätzen gegen die Drogenlabors wird aber immer mehr auch ein anderes Problem deutlich: aus den Küchen geraten Unmengen an Chemikalien in die Umwelt.

Deutlich geworden ist das bei einem der jüngsten Einsätze auf dem Vietnamesen-Markt Sapa im Süden von Prag. Die Polizei hat hier drei Menschen verhaftet und dabei rund 1000 Liter Chemikalien sichergestellt. Laut Jakub Frydrych, dem Leiter der tschechischen Anti-Drogenbehörde, hätte das für rund 85 Kilogramm verschiedenster Drogen gereicht, der Rest wäre aber im Prager Abwassersystem gelandet.

Jakub Frydrych (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Jakub Frydrych (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Laut Frydrych sind die illegalen Drogenküchen ein großes Problem, das von den Bürgern aber immer noch nicht wirklich wahrgenommen wird:

„Die Drogen-Produktion ist für die meisten Menschen hierzulande immer noch etwas Imaginäres. Auch damit müssen die Behörden arbeiten. Wir müssen zeigen, dass Drogen in den Gemeinden produziert werden, und nicht in einem abstrakten Großstadt-Moloch oder irgendwo am anderen Ende der Republik. Es geht hier um konkrete Orte in konkreten Städten und Gemeinden.“

Und jährlich werden laut Frydrych 260 solcher konkreten Labore entdeckt, und das in ganz Tschechien. Das seien jedoch nur drei Prozent aller Produktionsstätten, vor allem von Crystal. Das zusätzliche Problem dabei ist, dass bei der Herstellung von 10 Kilo Crystal rund 12 Kilo Gift in die tschechischen Wasserläufe kommen.

Foto: Archiv der tschechischen PolizeiFoto: Archiv der tschechischen Polizei In den Kläranlagen können die problematischen Anteile an Chemikalien kaum entdeckt werden. Es geht laut einem Sprecher der Prager Wasserwerke um eine kontinuierliche Verschmutzung durch geringe Mengen. Nachweisbar wäre jedoch nur der Abfluss einer großen Giftmenge, beispielsweise aus einer umfangreichen Produktion von Crystal.

Dennoch konnten Forscher des Masaryk-Instituts für Wasserqualität in Prag erhöhte Werte feststellen. Die Leiterin des Forscherteams, Věra Očenášková, bestätigte das schriftlich gegenüber dem Tschechischen Rundfunk, Zitat:

„Bei unseren Messungen konnten wir in unregelmäßigen Abständen einen massiven Anstieg des Methamphetaminwertes in Abwässern feststellen. Meist genau dann, nachdem ein illegales Drogenlabor aufgeflogen war.“

Genau dann würden die Giftstoffe nämlich in den Ausguss beziehungsweise die Natur entsorgt, vermutet Očenášková.

Strafen haben die Drogenproduzenten für die Verschmutzungen meist nicht zu befürchten, die Legislative kennt noch keine Antwort auf dieses Problem. Vor allem aber würde dieser Tatbestand bei den Verhandlungen oft zu kurz kommen und wegen der anderen Straftaten der Angeklagten vor Gericht unter den Tisch fallen, so Jakub Frydrych von der Anti-Drogenbehörde.