Tagesecho Historische Glassammlung bleibt in Böhmerwaldgemeinde Lenora
Bis heute sind es begehrte Sammelstücke: die Produkte der Glashütte von Wilhelm Kralik aus der Böhmerwaldgemeinde Lenora / Eleonorenhain. In Lenora wird seit 15 Jahren kein Glas mehr produziert. Das Gebäude der Glashütte ist inzwischen halb zerfallen, von der einst berühmten Produktion zeugt jedoch eine wertvolle Glassammlung.
Glashütte in Lenora
In der Gemeinde Lenora leben etwa 800 Menschen. Entstanden ist sie als
Siedlung der 1834 gegründeten dortigen Glashütte. Mitte des 19.
Jahrhunderts war die Glashütte von Wilhelm Kralik bereits die größte in
Böhmen. Die Erzeugnisse aus Eleonorenhain, wie die Hütte und dann auch
der ganze Ort auf Deutsch hießen, wurden bei vielen internationalen
Glasausstellungen mit Medaillen gewürdigt. Das Glas der Firma Wilhelm
Kralik feierte Erfolg beispielsweise bei den Weltausstellungen 1867 in
Paris und 1873 in Wien. In der Zwischenkriegszeit exportierte die
Glashütte 90 Prozent ihrer Produktion in die USA.
Glashütte in Lenora (1970er Jahre). Foto: Staralenora.cz
Doch die Glasöfen in Lenora sind heute erloschen. Nach den misslungenen
Versuchen zur Privatisierung des Betriebs mussten sie bereits vor 15 Jahren
ausgeschaltet werden. Dabei fanden die Produkte weiterhin Absatz und die
Betriebslager mit Kristallglas waren schnell geleert. An den Weltruhm der
Glasproduktion in der Böhmerwaldgemeinde erinnert vor Ort mittlerweile nur
noch eine Sammlung, die rund 350 historische Glasprodukte umfasst.
„Die Sammlung dokumentiert eigentlich die ganze Entwicklung der hiesigen Glasproduktion“, sagt der Vizebürgermeister von Lenora, Antonín Chrapan. Eines der wertvollsten Exponate ist ein Bowle-Service, das für die britische Königin erzeugt wurde. Die Hersteller benutzten dafür Bernsteinglas, das mit Schliffen verziert wurde. Die Sammlung enthält zudem mehrere einzigartige Produkte aus Hüttenglas.
Glas der Firma Wilhelm Kralik
Ursprünglich gehörte die Glassammlung einem Stiftungsfonds, der in
Privathänden war. Doch bestand Gefahr, dass die historische Glassammlung
verkauft wird. Um dies zu verhindern, kaufte die Kreisverwaltung dem Fonds
die historischen Glasgegenstände ab, um sie für die Öffentlichkeit zu
retten. Die Glassammlung soll in das Südböhmische Museum in České
Budějovice / Budweis eingegliedert werden. Die Kunsthistoriker des Museums
warten zurzeit darauf, dass ihnen die Kreisverwaltung die historischen
Glasprodukte offiziell überreicht. Das Südböhmische Museum besäße
damit dann die drittgrößte Glassammlung in Tschechien.
Die unter Denkmalschutz stehende Sammlung aus Lenora wird aber nicht nach Budweis überführt. Das Glas soll dort bleiben, wo es einst erzeugt wurde. Bislang kann man es in einem winzigen Museum in den Räumlichkeiten des Gemeindeamtes von Lenora besichtigen. Dies könnte sich bald ändern, meint Bürgermeisterin Jaroslava Krnáková:
Gemeinde-Backofen in Lenora (Foto: Klatovynet)
„Wir hoffen, dass uns die Kreisverwaltung finanziell unterstützt, um
das wertvolle Glas in besseren Bedingungen als bisher ausstellen zu
können:“
Die historische Glassammlung ist nicht der einzige Magnet für Touristen, die Lenora besuchen. Im Ort sind einige alte Glasmacherhäuschen erhalten geblieben. Im kleinen Schloss, das den früher den Besitzern der Glashütte gehörte, wurde ein Hotel eingerichtet. In Lenora befindet sich zudem ein Gemeinde-Backofen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vor einigen Jahren ließen die Bäcker dort die Tradition wieder aufleben und backen jeden letzten Samstag im Monat öffentlich Brot, Brötchen, Kuchen und Eleonorenhainer Fladen.







