Tagesecho Hirten, Schafe und Eidechsen – erster Adventstag in Prag - Suchdol

28-11-2011 16:27 | Martina Schneibergová

An mehreren Orten Tschechiens wurde am vergangenen Wochenende der Advent feierlich begrüßt. Auf den Marktplätzen wurden Weihnachtsbäume und oft auch Weihnachtskrippen aufgestellt. Im Prager Stadtteil Suchdol gibt es eine besondere Weihnachtskrippe, denn sie ist ein gemeinsames Werk der dortigen Bewohner. Am vergangenen Samstag wurde auf dem Marktplatz in Suchdol der Adventbeginn gefeiert.

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Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Der Kinderchor hatte viel Publikum. Auf dem Platz vor dem Gemeindeamt in Suchdol wimmelte es am Samstagnachmittag von Leuten, die rund um die Weihnachtskrippe versammelt waren. Der Bürgermeister von Suchdol, Petr Hejl, wandte sich an alle, die beim Aufstellen der Weihnachtskrippe geholfen hatten:

„Ich bedanke mich bei allen denjenigen, die hier die 770 Figuren platziert haben. Ich danke allen denjenigen, die an den vielen Benefizveranstaltungen in unserem Stadtteil teilgenommen haben. Unsere Schüler haben in diesen Tagen beispielsweise Geschenke für Roma-Kinder im nordböhmischen Šluknov vorbereitet. Liebe Mitbürger, ich wünsche Ihnen, dass Sie die Adventzeit friedlich verbringen.“

Petr HejlPetr Hejl Der Bürgermeister durchschnitt das Band, uns schon konnten sich alle der Weihnachtskrippe nähern und inmitten der vielen Figuren Kerzen anzünden. Hunderte von Keramik-Figuren wurden auf mehreren Sockeln aus Stein und Holz platziert. Auf die Idee, eine solche Weihnachtskrippe zu modellieren, kam Magdalena Vovsová bereits 2001. Sie ist Dozentin an der Prager Akademie der bildenden Künste und lebt in Suchdol. Angefangen hat sie mit Freunden und rund 200 Figuren:

„Wir haben uns damals gedacht, dass wir die Weihnachtskrippe nicht in einem Raum oder in einem Schaufenster, sondern draußen ausstellen wollen. Wir hatten uns gewünscht, dass sich jeder zu jeder Zeit die Weihnachtskrippe anschauen kann.“

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Zum Mitmachen beim Modellieren der Keramik-Figuren wurden später alle Bewohner von Suchdol aufgefordert. Jeder konnte versuchen, eine Figur für die Weihnachtskrippe selbst zu erstellen. Dieses öffentliche Modellieren fand jedes Jahr in der dortigen Grundschule statt, die über eine gut ausgestattete Keramikwerkstatt verfügt. Magdalena Vovsová:

„Das Alter der Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim öffentlichen Modellieren bewegte sich in diesem Jahr zwischen sechs Wochen und 78 Jahren. Das Baby war natürlich nur anwesend. Wer sein Können lieber zu Hause testen wollte, konnte sich den Ton und eine Anleitung abholen, die Figuren zu Hause modellieren, und sie dann in die Werkstatt zum Brennen bringen. Dann wurden die Figuren lackiert und konnte schon aufgestellt werden.“

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Die Leute kommen dann während der Advents- und Weihnachtszeit auf dem Marktplatz vorbei und suchen ihre Figur in der geräumigen Weihnachtskrippe. Sie laden oft ihre Freunde und Verwandten ein, um ihre Figürchen zu bewundern, erzählt die Künstlerin. In der Suchdoler Weihnachtskrippe findet man aber nicht nur typische Figuren wie Hirten oder Schafe. Zur Höhle in Betlehem kriechen auf den Podesten in Suchdol auch Geschöpfe, die an prähistorische Tiere erinnern.

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová „Diese Figuren, die man von anderen Weihnachtskrippen nicht kennt, stammen meistens von den jüngsten `Künstlern`. Natürlich versuchen auch die Kleinkinder, Schafe oder Hirten zu modellieren, aber so eine Eidechse ist für sie einfacher zu basteln. Für uns ist es wichtiger, was bei der Arbeit erlebt wird. Das Modellieren ist eine herrliche Tätigkeit. Man kann der Arbeit mit dem Ton vollständig verfallen, da man während des Modellierens nichts anderes machen kann. Es ist wohl bekannt, dass die Arbeit mit Keramik in der Kunsttherapie genutzt wird. Wir modellieren aber vor allem, weil es uns Spaß macht, auch wenn es um ein seriöses Thema wie eine Weihnachtskrippe geht.“

Die Weihnachtskrippe ist in Suchdol noch bis zum Tag der heiligen drei Könige zu besichtigen.

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