Tagesecho Hauptpreis des Internationalen Filmfestivals von Karlsbad geht nach Spanien

12-07-2010 14:09 | Patrick Gschwend

Es war ein erfolgreiches Wochenende für Spanien. Die Fußballnationalmannschaft gewann die Weltmeisterschaft in Südafrika. Aber auch der Hauptpreis des 45. Internationalen Filmfestivals von Karlovy Vary / Karlsbad ging nach Spanien. Der katalanische Regisseur Agustí Vila gewann den Kristallglobus für den besten Film.

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Agustí Vila (rechts, Foto: ČTK)Agustí Vila (rechts, Foto: ČTK) „La mosquitera“ (zu Deutsch: Das Moskitonetz) heißt der Siegerfilm des 45. Internationalen Filmfestivals von Karlovy Vary / Karlsbad. Eine überraschende Entscheidung, rief der Film von Regisseur Agustí Vila doch bei den Kritikern bislang keine allzu große Begeisterung hervor. „Das Moskitonetz“ handelt von dem stillen Leiden einer gut situierten Familie, die versucht ein vorbildliches Zusammenleben vorzutäuschen. Vila selbst beschrieb die Botschaft seines Films so:

„Das Problem unserer Zeit ist, dass sie den tragischen Hintergrund des Lebens leugnet. Wir müssen diesen tragischen Teil annehmen, sonst leugnen wir einen Teil des Lebens. Alle Figuren des Films leugnen ihn, sie schützen sich mit einem Moskitonetz vor der Tragik. Und das wiederum ist komisch. In moralischer Hinsicht fallen sie und wir können darüber lachen. Aber die Tatsache, dass die Charaktere versuchen der Tragik auszuweichen, ist eben auch tragisch und nicht nur komisch.“

Jan Svěrák (rechts, Foto: ČTK)Jan Svěrák (rechts, Foto: ČTK) Der Kristallglobus von Karlsbad ist für Agustí Vila die erste Auszeichnung überhaupt. Bei der Vergabe der Festivalpreise ging aber auch der tschechische Film nicht leer aus. Mit dem Sonderpreis der Jury wurde der Puppentrickfilm „Kuky kehrt zurück“ von Jan Svěrák ausgezeichnet. Der Film, der seit Mai mit großem Erfolg in den tschechischen Kinos läuft, wurde zuvor als einer der Favoriten für den Hauptpreis gehandelt. Svěrák freute sich dennoch über den Sonderpreis:

„Ich bin froh, dass die internationale Jury einen Puppenfilm ausgewählt hat. Das ist eine schöne Auszeichnung. Ich hatte nämlich befürchtet, dass sie sagen: ‚Ach, das ist so ein Film für Kinder. Den beachten wir nicht.’“

Rajko Grlić (Foto: ČTK)Rajko Grlić (Foto: ČTK) Auch den Preis für die beste Regie kann die tschechische Kinematographie zumindest zum Teil für sich reklamieren. Preisträger Rajko Grlić aus Kroatien hatte nämlich an der renommierten Prager Filmhochschule Famu Regie studiert.

„Ich habe hier mein Regiehandwerk gelernt. Hier habe ich meine ersten Schritte gemacht. Und jetzt 40 Jahre später zurückzukehren und einen Preis für das zu bekommen, was ich hier studiert habe, bedeutet mir sehr viel.“

Der Preis, den der Kroate für seinen Film „Es bleibt unter uns“ bekommen hat, sei auch das Verdienst des mittlerweile verstorbenen tschechischen Regisseurs Elmar Klos, so Grlić. Klos war seinerzeit Professor an der Famu. Bei ihm hatte Grlić 1971 seinen Abschluss in Regie gemacht.

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