Happening: Bürgerinitiative warnt vor Kommunismus

Eine Prager Bürgerinitiative warnt anlässlich des 100. Jahrestags der Oktoberrevolution vor dem Kommunismus.

Symbolischer Schuss aus Aurora (Foto: Martina Schneibergová)Symbolischer Schuss aus Aurora (Foto: Martina Schneibergová) Mit einem symbolischen Schuss aus Aurora eröffnete die Bürgerinitiative „Bez komunistů.cz“ (zu Deutsch „Ohne Kommunisten“) am Dienstag in Prag ihr Happening. Dabei erinnerte sie daran, dass 100 Jahre Kommunismus gereicht haben und gedachte der Millionen Opfer der kommunistischen Regime in der Welt.

Erst ertönte ein lauter Knall, dann stieg Rauch aus der Mini-Kanone auf. Am rechten Prager Moldauufer unter der Eisenbahnbrücke stand ein aus Pappe gebastelter kleiner Kreuzer mit der kyrillischen Aufschrift „Aurora“. Petr Marek von der Bürgerinitiative „Bez komunistů.cz“ hielt in der Hand eine Tafel, auf der stand: „ 1917-2017: 100 Jahre Kommunismus – 100 Millionen Opfer“. Er eröffnete das Happening:

„Vor 100 Jahren wurde mit einem Schuss aus dem Kreuzer Aurora in St. Petersburg das Signal für den bolschewistischen Putsch gegeben. Damit begann die kommunistische Herrschaft. Nach 100 Jahren ist die Bilanz des Kommunismus erschreckend. Die Historiker schätzen die Zahl der Opfer der kommunistischen Regime auf 100 Millionen Menschen. Die meisten Opfer forderten die Regime in China und in der Sowjetunion. Die genauen Zahlen kann man aber nie feststellen.“

Petr Marek (Foto: Martina Schneibergová)Petr Marek (Foto: Martina Schneibergová) Marek erinnerte an die Tausende Opfer des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei, an die Justizmorde sowie die Menschen, die in den Gefängnissen und Arbeitslagern ums Leben kamen. Er machte jedoch auch auf die heutige politische Szene in Tschechien aufmerksam:

„Wir haben hier eine große Schande. Im Unterschied zu anderen ehemals kommunistischen Ländern, sitzt bei uns immer noch dieselbe kommunistische Partei wie vor der Wende im Parlament. Wir von der Bürgerinitiative haben uns vor drei Jahren das Ziel gesetzt, dass die Kommunisten nicht mehr die Fünf-Prozent Hürde überwinden. In diesem Jahr ist es ihnen noch gelungen, aber sie werden immer schwächer.“

Am Happening nahm auch Vladimír Hanzel teil, er war viele Jahre Sekretär des ehemaligen Präsidenten Václav Havel. Er erinnerte daran, dass 1917 niemand geahnt hat, was die Ideologie in der Praxis bringen wird.

Vladimír Hanzel (Foto: Martina Schneibergová)Vladimír Hanzel (Foto: Martina Schneibergová) „Auch viele Intellektuelle verfielen der Illusion, dass eine bessere neue Welt entstehen würde. Sie ahnten nicht, wie viele Ermordete es geben wird. Wir sollten nach den vielen Jahren, in denen der Kommunismus geherrscht hat, auch Lehren daraus ziehen. Schon vor vielen Jahren haben mehrere Persönlichkeiten vor dem Kommunismus gewarnt. Zu ihnen gehörten in der Tschechoslowakei Präsident Tomáš Garrigue Masaryk oder Schriftsteller Karel Čapek. Die Warnung besteht auch heutzutage darin, dass es eine Reihe Bedrohungen für die Demokratie gibt. Die Demokratie muss man pflegen, sie ist nicht vom Himmel gefallen und ist nicht ewig. Die Situation nach den Wahlen hierzulande ist natürlich nicht mit der Situation von 1917 in Russland vergleichbar. Aber es kann viel Unangenehmes passieren, wenn die Menschen das Zeitgeschehen ignorieren, nicht an den Wahlen teilnehmen und davon überzeugt sind, dass sie das alles nicht betreffen würde.“