Tagesecho Hamburg fordert bessere Nutzung des tschechischen Hafengeländes
Die deutsche Hansestadt Hamburg kann sich damit rühmen, über den drittgrößten Überseehafen Nordeuropas zu verfügen. Deshalb bezeichnet sich die Elbestadt auch nicht zu Unrecht gern als ein Tor zur Welt. Dieses Attribut trifft in ganz besonderem Maße zu, wenn man sich die Tschechische Republik zum Bezugspunkt macht. Denn der von Böhmen über die Moldau und Elbe per Binnenschiff erreichbare Hamburger Hafen ist in der Tat das größte und einzige Tor zur Welt, über das Tschechien auf dem Seeweg verfügt. Anlässlich des am Donnerstag zum bereits 15. Male in Prag durchgeführten "Hamburger Hafenabends" - ein idealer Treff für die Wirtschaftskapitäne des Binnenlandes und der Hansestadt - hatte Lothar Martin die Gelegenheit, mit Gunnar Uldall, dem Hamburger Senator für Wirtschaft und Arbeit, zu sprechen.
Gunnar Uldall
Im Gespräch für Radio Prag, dem wir leider einige technische Mängel
attestieren müssen, für die wir uns hiermit entschuldigen, verwies Senator
Uldall zunächst noch einmal auf die Bedeutung, die der Hamburger Hafen für
die Tschechische Republik habe:
"Es gibt ja eine jahrzehntelange, sehr enge Zusammenarbeit zwischen Tschechien und Hamburg, und der Transport der tschechischen Güter nach Übersee hat den billigsten Weg über den Hamburger Hafen. Deswegen haben wir auch in den vergangenen Jahren kräftige Steigerungsraten der Exporte über den Hamburger Hafen gehabt. Darüber freuen wir uns, und deswegen tun wir alles, um die Verbindung zwischen Tschechien und Hamburg noch zu verstärken."
Im Bereich des Hamburger Hafens wurde der ehemaligen Tschechoslowakei auf
der Grundlage des Versailler Friedensvertrages im Jahre 1919 ein 30.000
Quadratmeter großes Stück des Hafengeländes zugesprochen, um somit die
Möglichkeit zu haben, hier eigene Export- und Importgüter umzuschlagen,
die auf dem Wasserwege transportiert werden. Nach der Übernahme dieses
Hafengrundstücks 1993 durch die damals neu gegründete Tschechische
Republik sind die Umschlagarbeiten auf diesem Gelände mittlerweile arg ins
Stocken geraten. Grund dafür ist die Tatsache, dass die tschechische
Betreibergesellschaft CSPL inzwischen in Konkurs gegangen ist. Dieser
Zustand, so Senator Uldall, sollte jedoch schnellstmöglich behoben werden:
"Die dort ansässige Umschlagsgesellschaft ist leider jetzt in
Insolvenz, das Gelände wird nicht richtig genutzt. Für Tschechien ist das
deswegen von Nachteil, weil damit Umsatzmöglichkeiten verloren gehen, und
für Hamburg ist es negativ, weil der Hamburger Hafen gewaltig wächst und
deswegen eigentlich jeden Quadratmeter dringend benötigt. Deswegen meinen
wir, man sollte jetzt gemeinsam nach Wegen suchen, wie beide Seiten zu
einer richtigen Nutzung dieses Geländes kommen. Ich sage einmal: Es ist
eine echte win-win-Situation für Tschechien und Hamburg. Wir sollten daher
versuchen, diese Situation für uns zu nutzen."
Der Nutzungsvertrag über das tschechische Hafengrundstück laufe immerhin
noch bis zum Jahr 2028, so dass ein ausbleibendes Wirtschaften jede Menge
Kapital regelrecht versanden könne, ergänzte der Senator. Und nicht nur
das. Im Sinne eines effektiveren Transports per Binnenschifffahrt sprach
sich Uldall konsequent für den Ausbau von Staustufen auf Elbe und Moldau
aus. Denn nur durch vertiefte Flussrinnen könne die Binnenschifffahrt auch
in Zukunft konkurrenzfähig bleiben. Dem Argument der Umweltschützer und
Tourismusvertreter, der Natur zum Beispiel zwischen Böhmischem
Mittelgebirge und Elbsandsteingebirge mit einem solchen Eingriff einen
unwiederbringlichen Schaden zuzufügen, entgegnete der Senator:
"Es würden, wenn die Elbe nicht mehr schiffbar gehalten werden würde,
von Hamburg nach Sachsen 25.000 LKWs mehr pro Jahr fahren. Das kann kein
Umweltschützer wollen! Andererseits sage ich auch: Tausende von LKWs, die
heute Container von Hamburg nach Tschechien bringen oder von Tschechien
nach Hamburg, könnten in Zukunft mit dem Binnenschiff transportiert
werden. Denn da die Straßen alle hoffnungslos überlastet sind, ist das im
Interesse aller Beteiligten, hier die Elbe und die Moldau schiffbar zu
halten."






