Tagesecho Gute Zeiten sind vorbei, schlechte Zeiten bleiben angeblich aus
Die globale Finanzkrise, die aus den USA bereits nach Europa übergeschwappt ist, wird die tschechische Wirtschaft wie auch die tschechischen Bankhäuser nicht direkt bedrohen. Darauf einigten sich am Donnerstag drei Kapitäne der tschechischen Politik und Wirtschaft bei einem Treffen. Zumindest vor laufenden Kameras, als sie der Nation ihre offizielle Position zum derzeitigen weltpolitischen Problem ersten Ranges verkündeten
Zdeněk Tůma (Foto: ČTK)
Die Banken und Kreditinstitute im Land stehen auf festen Beinen. Doch
nicht
nur das. Auch die Anleger hätten nichts zu fürchten. Das war am
Donnerstag die gemeinsame Botschaft von Premier Mirek Topolánek,
Finanzminister Miroslav Kalousek und dem Gouverneur der Tschechischen
Nationalbank (ČNB), Zdeněk Tůma. Ihren Aussagen zufolge sei jedoch ein
Rückgang des Wirtschaftswachstums zu erwarten, da auch die
westeuropäischen Volkswirtschaften zurzeit nur niedrigere Leistungen
erbringen.
„Die tschechische Wirtschaft hat sich seit einigen Jahren an der Grenze ihrer Möglichkeiten entwickelt und war bereits überhitzt. Unabhängig von dem, was jetzt in den USA passiert, haben wir eine geringfügige Verlangsamung des Wachstumstempos erwartet. Sie wird, wie sich jetzt zeigt, etwas größer sein“,
V.l.n.r.: Mirek Topolánek, Miroslav Kalousek und Zdeněk Tůma (Foto: ČTK)
sagte Finanzminister Kalousek und ergänzte:
„Die außerordentlich guten Zeiten gehen zu Ende. Es beginnen neue Zeiten, und zwar Zeiten mit normalen Sorgen. Ganz bestimmt aber keine außergewöhnlichen Zeiten, die außerordentliche Maßnahmen erforderlich machen würden.“
Die Tschechische Nationalbank hat jüngst eine jährliche Wachstumsrate von 3,4 Prozent für das kommende Jahr prognostiziert. Zentralbankdirektor Tůma sieht aber keine Gründe, die die tschechischen Banken im Zusammenhang mit der Finanzkrise in den USA in Probleme stürzen könnten.
„Unsere Bankhäuser und Finanzinstitute haben keine Produkte ähnlicher Art in größerem Umfang in ihren Bilanzen. Das ist auch eines der wichtigen Argumente, warum unser Sektor tatsächlich nicht dieselben Probleme hat. Die wesentliche Information für die Anleger und die breitere Öffentlichkeit ist, dass ihre Sparkontos gerade deswegen nicht gefährdet sind, weil wir keine Probleme mit den Bilanzen der Bankhäuser haben.“
Foto: ČTK
Als Reaktion auf die Finanzkrise in den USA hat die Europäische
Kommission dieser Tage eine strengere Regulierung des Bankensektors
vorgeschlagen. Eine der Ursachen der jetzigen Probleme sei nämlich die
bisher unzureichende Regulierung, so die Kommission. Zdeněk Tůma teilt
diese Meinung nicht:
„Das, was in den USA geschehen ist, ist nicht die Folge dessen, dass es generell an Regeln fehlt. Es geht darum, dass das Management einiger US-amerikanischer Firmen die Risiken einiger Finanzprodukte nicht richtig eingeschätzt hat. Und dasselbe trifft auch für die Regulatoren zu.“
Trotz der beruhigenden Worte aus den obersten Etagen der Politik und
Wirtschaft sind sich hierzulande - von Geschäftsleuten angefangen bis hin
zu den Normalbürgern - Viele darüber im Klaren, dass sich die
Finanzkrise
schon in kürzester Zeit in anderer Weise bemerkbar machen wird: Mit dem
traditionellen Konsumfieber vor Weihnachten ist nicht mehr zu rechnen.







