Tagesecho Grünes Licht für Übersiedlung seltener Nashörner aus Gefangenschaft in freie Wildbahn

15-12-2009 16:56 | Jitka Mládková

Vier Nördliche Weiße Breitmaulnashörner werden demnächst ihr Domizil im ostböhmischen Zoo Dvůr Králové gegen das Reservat Garamba in Kenia tauschen. Die entsprechende Genehmigung hat am Montag das Umweltministerium erlassen. Ein Jahr hat man den Transport vorbereitet, nun ist es so weit. Am Samstag sollen die Tiere, die weltweit praktisch ausgestorben sind, nach Afrika geflogen werden. Ein kontroverses Projekt. Einige Experten sehen darin aber die letzte Chance zur Fortpflanzung der einzigartigen Tiere, von denen es in freier Wildbahn vermutlich nur noch drei oder vier im Sudan gibt. Acht Exemplare des seltenen Großsäugetiers leben in Gefangenschaft, davon sechs in Dvůr Králové. Jitka Mládková hat mit dortigen Chefzoologen Pavel Moucha gesprochen.

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Foto: ČTKFoto: ČTK „Wir haben bereits alle Möglichkeiten erprobt, die sich für die in Gefangenschaft lebenden Tiere anbieten. Zum Beispiel die Schaffung entsprechender Sozialstrukturen der Tiere, die künstliche Befruchtung und so weiter. Schon in den 1990er Jahren haben wir drei Weiße Nördliche Nashörner an den „Wild Animal Park“ in San Diego, Kalifornien, übergeben. Trotz besserer Klimabedingungen und größeren Lebensraumes kam es auch dort nicht zu ihrer Fortpflanzung. Nun haben wir uns entschlossen, die vier Nashörner in ihr natürliches Milieu nach Afrika zu schicken.“

Der anstehende Transport der vier Nashörner in das Garamba-Reservat in Kenia ist also der letzte Versuch um deren Fortpflanzung, nicht wahr?

Foto: ČTKFoto: ČTK „Im Prinzip ist es schon die letzte Möglichkeit, die uns eingefallen ist. Naja, in Wirklichkeit gibt es noch eine allerletzte Chance. Diese wird aber vorläufig nur auf akademischer Ebene diskutiert. Es geht dabei um eine Embryonenübertragung.“

Werden Sie das Schicksal Ihrer Nashörner in Afrika weiter verfolgen?

„Das haben wir vor. Insbesondere wollen wir weiter verfolgen, wie sich der hormonale Zyklus der Nashornweibchen entwickeln wird. Das lässt sich durch Analysen ihrer Exkremente gut machen. Das Projekt ist für drei Jahre anberaumt.“

Wie urteilen Sie über die Einwände gegen den Transport der Nashörner. Gegner sehen darin, ebenso wie in der notwendigen Akklimatisierung der Tiere in ihrer neuen Umwelt, große Gefahren?

Foto: ČTKFoto: ČTK „Ich muss gestehen, dass diese Frage kontrovers ist. Eine einhellige Meinung ist schwer zu finden. Wir haben in unserem Zoo für die Fortpflanzung der Weißen Nashörner absolut alles getan haben, was wir tun konnten. Weitere reale Möglichkeiten gibt es unter den Bedingungen unseres Zoos nicht. Natürlich sind wir uns der Risiken bewusst, die mit diesem Projekt verbunden sind. Aber im Hinblick auf die Überlebenschancen dieser weltweit generell bedrohten Tiere sind wir bereit, die Risiken in Kauf zu nehmen.“

Im Zoo Dvůr Králové bleiben noch zwei Weibchen des Nördlichen Weißen Nashorns zurück. Sie sind aber der Fortpflanzung nicht mehr fähig.

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