Tagesecho Grünes Licht für GreenCard - Tschechien lockt Fachkräfte

24-10-2007 16:54 | Thomas Kirschner

Grün oder blau - wie sieht die Zukunft des tschechischen Arbeitsmarktes aus? Während die Europäische Kommission mit der BlueCard den europäischen Arbeitsmarkt öffnen will, hat das tschechische Kabinett gerade die Einführung einer GreenCard beschlossen, um Fachkräfte ins Land zu holen.

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EU-Sozialkommissar Vladimir SpidlaEU-Sozialkommissar Vladimir Spidla 20 Millionen zusätzliche Arbeitskräfte brauche Europa in den kommenden 20 Jahren, heißt es aus Brüssel. Eine Prognose, die paradox erscheint, angesichts hoher Arbeitslosenzahlen und teils immer noch bestehenden Übergangsfristen für Arbeitnehmer aus den neuen EU-Staaten. Dennoch: an Zuwanderung führe kein Weg vorbei, unterstreicht auch der tschechische EU-Sozialkommissar Valdimir Spidla:

"Die eigenen Arbeitkräfte reichen nicht aus. Wenn wir im Wettbewerb bestehen wollen, dann müssen wir qualifizierte Menschen herholen."

Nach Jahren des steilen und stetigen Aufschwungs werden in Tschechien bereits jetzt in vielen Branchen die Arbeitskräfte knapp. Im Landesschnitt ist die Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahres von acht auf derzeit 6,4 Prozent gefallen. Das Projekt Wachstum stößt örtlich schon an seine Grenzen. Das bestätigt auch Zdenek Wolf von einer Metall verarbeitenden Firma in der Nähe von Pilsen:

Foto: Europäische KommissionFoto: Europäische Kommission "Räumliche Kapazitäten haben wir und Aufträge gibt es genug, wir können sie nur nicht bewältigen und müssen sie ablehnen - es gibt nicht genug Arbeitskräfte. Und das heißt, dass die Produktion anstatt zu wachsen auf dem Niveau des vergangenen Jahres bleibt."

138.000 offene Stellen registrieren die Arbeitsämter zurzeit. Es fehlen IT-Spezialisten, aber auch Facharbeiter, Fahrer und Reinigungskräfte. Seit vier Jahren schon versucht die Regierung daher, Arbeitnehmer auch im Nicht-EU-Ausland anzuwerben. Bislang erfolglos: statt erwarteten 12.000 Fachkräften kamen gerade einmal 600. Die Schuld sieht Handelsminister Martin Riman bei den zu engen Vorgaben der Regierung:

Martin RimanMartin Riman "Das Projekt aus dem Jahr 2003 hatte einen zu engen Rahmen, in den praktisch niemand hineingepasst hat. Es richtete sich ja nur an Bürger einiger weniger Staaten, und selbst die mussten schon im Vorfeld einen Arbeitsplatz finden. Man kann sich leicht vorstellen, wie es ist, vom Ausland aus Arbeit zu suchen. Die Unternehmen wollen ja nicht die Katze im Sack kaufen, sie möchten die Leute vorher sehen!"

Mit der neuen GreenCard soll nun alles besser werden. Die drei Jahre gültige kombinierte Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung soll bereits ab dem kommenden Jahr ausgegeben werden. Sie soll nicht nur die Zuwanderung für "gastarbeitery", wie man hierzulande sagt, erleichtern, sondern auch die Schwarzarbeit eindämmen. Und die BlueCard der Europäischen Kommission? Die liege noch allzu sehr im Blauen, meint Arbeits- und Sozialminister Petr Necas und kündigte an:

"Tschechien wird ohne Rücksicht auf die Pläne der Europäischen Union sein GreenCard Projekt auf den Weg bringen."

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