Tagesecho Großartiges Musiktheater: Bohuslav Martinůs „Marienspiele“ im Nationaltheater Prag
Während des Kommunismus wurde diese Oper nicht oft aufgeführt, weil ihr starker religiöser Anhauch unerwünscht war. Das aus vier selbständigen Einaktern bestehende Opus ist zudem nicht gerade einfach zu inszenieren. Im Prager Nationaltheater hatte vergangene Woche eine Neuinszenierung von Bohuslav Martinůs „Marienspielen“ Premiere.
Foto: Hana Smejkalová
Die „Marienspiele“ sind ein Monumentalwerk, das durch mittelalterliche
Legenden inspiriert wurde. Den Prolog des vierteiligen Stücks bildet das
vertonte Gleichnis aus dem Neuen Testament über die klugen und die
törichten Jungfrauen. Für das zweite Stück diente ein bekanntes
Mirakelspiel über Mariken von Nimwegen als Vorlage. Anhand eines
mährischen Volksgedichts über Christi Geburt schrieb der Komponist den
dritten Teil der Tetralogie. Den Höhepunkt und letzten Teil der Oper
stellt die Geschichte der Schwester Paskalina dar, die nach der
vorübergehenden Flucht aus dem Kloster dort durch Jungfrau Maria
persönlich vertreten wird. Dem Opernintendanten des Nationaltheaters
Jiří Heřman gelang es als Regisseur, die vier unterschiedlichen Teile
des Werks so miteinander zu verbinden, dass man als Zuschauer das Gefühl
hat, es handle sich um vier Akte einer Oper. Er sei wie immer nur von der
Musik und dem Libretto ausgegangen, sagte der Regisseur:
Regisseur Jiří Heřman
„In der Oper vermischen sich verschiedene Stile, denn Bohuslav Martinů
wurde inspiriert durch die mährische Volkspoesie, die Jazz-Musik, aber
auch durch den monumentalen Orchesterklang. Bei der Inszenierung bin ich
vom dritten Spiel ausgegangen, das eine Geschichte über die Geburt des
Herrn ist. Ich habe mir vorgestellt, dass sich vor mir ein Altar auftut und
die einzelnen Geschichten aus den mittelalterlichen Legenden darauf zu
sehen sind. Ich hoffe, dass mir gemeinsam mit dem Bühnenbildner gelang,
ein Werk zu schaffen, das von der Poetik der Altarmalerei ausgeht. Ich
glaube, dass diese Poetik der Oper entspricht.“
Foto: Petra Hajská
Die Oper wirkt als eine großartige Zeremonie, nicht nur dank der
visuellen Seite, sondern auch durch den Klang. Drei Chöre wirken mit,
wobei sie oft von den Balkonen im Zuschauerraum singen. Zur Zusammenarbeit
lud Heřman den international bekannten tschechischen Dirigenten Jiří
Bělohlávek
ein:
Foto: Petra Hajská
„Ich bin sehr froh, dass Jiří Bělohlávek nach Jahren wieder in das
Nationaltheater zurückgekehrt ist. Denn er ist imstande, das Orchester zu
einer außerordentlichen Leistung anzuregen. Er verleiht der Interpretation
wirklich den entsprechenden Inhalt. Ich meine, was ihm gelungen ist, ist
eine Glanzleistung.“
Die Marienspiele werden anlässlich des 50. Todestags von Bohuslav Martinů im Rahmen des internationalen Projekts „Martinů Revisited“ aufgeführt.








