Tagesecho Größter Fauxpas der Lotterie-Geschichte: Gesellschaft Sazka kann Jackpot nicht auszahlen
Die größte tschechische Lotteriegesellschaft Sazka ist offenbar pleite. Wie am Dienstag bestätigt wurde, kann Sazka seit einiger Zeit keine Gewinne mehr an besonders erfolgreiche Tipper auszahlen. Darunter ist auch der Gewinner des Jackpots im Monat Januar, der bis heute auf die Auszahlung seiner umgerechnet vier Millionen Euro wartet. Auf mehr Geld warten seit geraumer Zeit auch die tschechischen Sportverbände, die als Zentralverband die Hauptaktionäre von Sazka sind. Kleinere Aktionäre rufen deshalb bereits verstärkt nach der Übernahme von Sazka durch einen Investor. Der zentrale Sportdachverband sträubt sich aber (noch) dagegen, genauso wie gegen einen Insolvenzantrag von Sazka selbst.
Sazka-Gebäude (Foto: ČTK)
Das sei natürlich ein ungeheures Glück und ein ungemeines Pech zugleich,
was der Gewinner des Jackpots habe. Und er könne nur zu gut verstehen,
dass der erfolgreiche Tipper jetzt nichts unversucht lässt, seinen Gewinn
auch ausgezahlt zu bekommen. So reagierte der Chef der Abteilung zur
Beaufsichtigung der Lotteriegesellschaften beim tschechischen
Finanzministerium, Karel Korynta, auf die journalistische Frage, ob er sich
in die Haut des bislang verprellten Jackpot-Gewinners hineinversetzen
könne. Eine Frage, die Korynta ziemlich unangenehm war, ist es doch das
erste Mal, dass sich seine Aufsichtsbehörde mit einer derart bizarren
Angelegenheit befassen muss:
Karel Korynta (Foto: Marián Vojtek, Tschechischer Rundfunk)
„Für uns ist das eine völlig neue Sache. Wir haben solch einen Fall in
der Geschichte der Lotterie noch nicht gehabt“, sagte Korynta.
Die finanziell angeschlagene tschechische Lotteriegesellschaft wollte das Problem lösen, indem sie einen entsprechend hohen Kredit aufnimmt. Das aber ist ihr erst am Mittwoch vergangener Woche erschwert worden, als der vorläufige Insolvenzverwalter Josef Cupka damit bevollmächtigt wurde, allen Transaktionen des Unternehmens von einer halben Million Kronen aufwärts zustimmen müsse. Der Insolvenzverwalter hat am Montag zudem den Antrag von Sazka abgelehnt, den Lotteriebetrieb wegen der finanziellen Engpässe vorerst auszusetzen. Eine Entscheidung, die Korynta für richtig hält:
„In diesem Fall befürchte ich, dass der Lotteriebetreiber gar nicht so ohne weiteres einen Antrag auf die Unterbrechung seiner Tätigkeit stellen kann. Meist ist es so, dass er seine Tätigkeit komplett einstellen muss, oder er sie nach und nach selbst beendet.“
Karel Komárek
Sazka sind jedoch jetzt die Hände gebunden, weil die offenbar
hochverschuldete Lotteriegesellschaft bereits in die Insolvenz getrieben
wurde. Und zwar von ihren größten Gläubigern, den Unternehmern Radovan
Vítek und Karel Komárek, die den vorläufigen Insolvenzantrag gestellt
haben. Beide Unternehmer behaupten, dass Sazka bei ihnen Verbindlichkeiten
in Höhe von mehreren Millionen Euro habe. Gibt es für den
Jackpot-Gewinner daher keine Hoffnung, dass er jemals zu seinem Geld kommt?
Karel Korynta verneint diese Frage und erklärt, was seine Behörde in der
Sache unternehmen könnte:
„Wir können ein Verwaltungsverfahren gegen Sazka eröffnen, das 30 bis
60 Tage dauern wird. Während dieses Verfahrens werden unter anderem Belege
eingefordert und Tatsachen überprüft. Das kann am Ende dazu führen, dass
die möglichen Gewinner einen Garantieanspruch auf ihren Gewinn erhalten
und dass der Gesellschaft die Lizenz zum Lotteriebetrieb entzogen wird.“







