„Goldenes Herz“ für Bahnenthusiasten und Journalisten

Der Freundeskreis der deutsch-tschechischen Verständigung hat am Montag den Preis „Goldenes Herz für Europa“ verliehen.

Roman Kozák (Foto: Martina Schneibergová)Roman Kozák (Foto: Martina Schneibergová) Der Freundeskreis der deutsch-tschechischen Verständigung hat am Montag zwei Persönlichkeiten mit dem Preis „Goldenes Herz für Europa“ ausgezeichnet. Geehrt wurde eine kleine Bahnstrecke im Böhmerwald, aber auch ein deutscher Journalist.

Umrahmt wurde das feierliche Treffen am Montag in der deutschen Botschaft mit Klarinettenmusik. Dann stellten die Vertreter des Freundeskreises der deutsch-tschechischen Verständigung die beiden diesjährigen Preisträger vor: den deutschen Journalisten Hans-Jörg Schmidt und den tschechischen Bahnenthusiasten Pavel Kosmata. Der Böhmerwald-Kenner, Eisenbahner und Schriftsteller Roman Kozák sagte in seiner Laudatio, Kosmata sei eine vielfältige Persönlichkeit.

„Er ist Lokführer, Musiker, Bandleader, Weltreisender, Herausgeber, Begründer des Vereins der Freunde der Böhmerwald-Eisenbahn, Manager im Eisenbahntourismus sowie Koordinator der Zusammenarbeit mit den Bahngesellschaften in Österreich und Bayern. Er ist zudem Initiator zahlreicher Projekte, die nicht nur Gleise und Gegenden, die Vergangenheit und Zukunft, sondern vor allem die Menschen miteinander verbinden.“

Museum in Nové Údolí (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)Museum in Nové Údolí (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag) Pavel Kosmata hat sich um die Jahrtausendwende eigentlich einen Jugendtraum erfüllt, er wollte nämlich schon immer Gleise über die Staatsgrenze legen. Dies gelang ihm und weiteren begeisterten Eisenbahn- und Böhmerwaldfans schließlich Ende der 1990er Jahre. Damit entstand die kürzeste internationale Bahnstrecke, die 105 Meter lang ist und aus dem Grenzort Nové Údolí / Neuthal nach Bayern führt.

„Nachdem die Gleise an ihrem Platz waren, kamen weitere Aktivitäten hinzu. Wir haben in einem Waggon eine Gaststätte errichtet, in einem anderen gibt es die Möglichkeit zu übernachten und im dritten wurde ein Museum eröffnet.“

Pavel Kosmata (Foto: Martina Schneibergová)Pavel Kosmata (Foto: Martina Schneibergová) Zuerst konzentrierte sich das Museum auf die Eisenbahn. Mit der Zeit sind aber immer wieder Menschen vorbeigekommen, die eine Beziehung zu dieser Gegend hatten. Sie haben nach und nach ihre Erinnerungen in den Waggons gelassen:

„Heute verwalten wir ein großes Archiv, in dem Erinnerungen von Menschen aufbewahrt werden, die in dieser Gegend arbeiteten – als Bahnangestellte, Finanzbeamte oder Zöllner. Es handelt sich um Tschechen, die 1938 vor dem Krieg den Ort verlassen mussten sowie um Deutsche, die nach dem Krieg vertrieben wurden. Und schließlich auch um die neuen Bewohner der Region, die zwei Jahre nach DEMKrieg das neu errichtete Militärsperrgebiet wieder verlassen mussten.“

Inzwischen hat Pavel Kosmata auch ein Kreuz in Nové Údolí wieder aufgestellt, bei dem einmal im Jahr ein tschechisch-deutscher Gottesdienst zelebriert wird. Er schätze den Preis, der ihm verliehen wurde, sehr, erzählt er.

Eisenbahn in Nové Údolí (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)Eisenbahn in Nové Údolí (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag) „Aber er gilt nicht mir persönlich, sondern auch den begeisterten Menschen, die uns geholfen haben. Darunter sind Freunde aus Deutschland, Österreich, aber auch aus Finnland und Neuseeland. Unsere Eisenbahn wird in Reiseführern erwähnt und auf Google Maps findet man sogar die Bahnhaltestelle ,U břízy‘, wo bisher nie jemand ein- oder ausgestiegen ist.“

Mit dem Goldenen Herz für Europa wurde auch der deutsche Journalist und Buchautor Hans-Jörg Schmidt ausgezeichnet. Er lebt seit 1990 in Tschechien und ist Korrespondent der Tageszeitung Die Welt. Zudem schreibt er für das LandesEcho, das Magazin der deutschen Minderheit hierzulande. Auf die Frage, ob er nach den vielen Jahren nicht ein bisschen Tscheche geworden ist, sagte er:

„Ja, ein bisschen habe ich mich schon verändert, weil ich als Deutscher hier nicht nur seit 27 Jahren lebe, sondern mit tschechischer Familie auch die ganze Zeit unter Tschechen und mit Tschechen bin. Deshalb kann ich mir einbilden, dass ich eigentlich etwas von meinem Deutschsein verloren habe. Ich bin ein großer tschechischer Patriot in bestimmten Dingen, was das Bier angeht, aber nicht nur. Natürlich bleibe ich immer Deutscher, das ist einfach so. Aber es ist schön, wenn man in seinem Gastland einen Friseur oder Zahnarzt seines Vertrauens hat und wenn man die tschechischen Witze versteht. Wenn man diese drei Bedingungen erfüllt hat, dann ist man hier angekommen.“

Hans-Jörg Schmidt (Foto: Martina Schneibergová)Hans-Jörg Schmidt (Foto: Martina Schneibergová) Besuchen Sie beispielsweise das Jára-Cimrman-Theater, die Bühne dieses fiktiven Nationalhelden?

„Das würde ich gern, aber es gibt fast keine Karten. Das ist ein unerfüllter Wunschtraum von mir. Aber ich hoffe, dass es irgendwann mal klappt.“

Meinen Sie, dass die Tschechen einen speziellen Humor haben?

„Die Tschechen haben einen wunderschönen Humor. Man muss die Witze nur verstehen. Dazu braucht man ein paar Jahre. Ich liebe diesen schwarzen Humor, der mich sehr an den britischen erinnert. Die Tschechen können sich wunderschön auf den Arm nehmen und über sich selbst lachen. Die Deutschen tun sich da etwas schwerer. Ich wehre mich aber auf der anderen Seite gegen das tschechische Vorurteil, dass die Deutschen völlig unlustig sind. Die Deutschen haben auch einen gewissen Humor, aber man hört ihn nicht so richtig heraus.“

Was bedeutet für Sie der Preis, der Ihnen soeben verliehen wurde?

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová „Ich wollte am Anfang gar nichts davon wissen. Ich habe mich dagegen gewehrt. Denn als Journalist bekomme ich ein Honorar für meine Arbeit, und die mache ich jeden Tag. Auf der anderen Seite ist es schön, wenn man meint, dass ich bisschen mehr mache als meine Arbeit, dass ich ein bisschen versuche, etwas für die Verständigung zwischen beiden Ländern zu tun. Aber eigentlich sollten solche Preise diejenigen Leute bekommen, die sich wirklich ehrenamtlich sehr bemühen mit ganz konkreten Projekten etwas für die deutsch-tschechische Versöhnung und Verständigung tun. Da sind wir Journalisten mehr die Profis. Aber ich freue mich natürlich trotzdem.“

Der Freundeskreis der deutsch-tschechischen Verständigung wurde 1990 gegründet. Der Preis „Goldenes Herz für Europa“ wurde 2004 von Walter Kotrba gestiftet. Ziel war es, die Arbeit der Menschen zu würdigen, die einen entscheidenden Beitrag leisten für die deutsch-tschechische Verständigung, den man aber oft nicht wahrnimmt.