Tagesecho Goldene Träne, Jan Koller und Karlsbrücke – Tschechien mit Expo-Bilanz zufrieden
Ein halbes Jahr lang rannten die Besucher der Expo praktisch die Türen ein. Am Sonntag haben in Shanghai ebenjene Türen geschlossen: Mit 72 Millionen Gästen war es die bestbesuchte Weltausstellung überhaupt. Auch die tschechischen Aussteller kehren zufrieden aus China zurück.
Tschechischer Pavillon in Shanghai (Foto: ČTK)
„Tschechien?“, fragt etwas ungläubig ein chinesischer Besucher in
einem Video auf den Internetseiten der tschechischen Expo-Präsentation.
Ja, die Tschechoslowakei sage ihm etwas, fügt er an. Jan Koller, den
Fußballspieler, assoziiert ein weiterer Mann mit Tschechien. Wahrlich:
Nicht viel war es, was die chinesischen Besucher der Weltausstellung in
Shanghai über Tschechien wussten. Maximal kannten sie noch den
Schriftsteller Milan Kundera. Bei einer offiziellen Befragung waren indes
58 Prozent völlig ratlos bei der Nennung des kleinen Landes in
Mitteleuropa.
Expo 2010 in Shanghai (Foto: ČTK)
Doch verzeichnete der tschechische Pavillon eine Rekordbesucherzahl wie
die gesamte Expo. Rund 8,7 Millionen Menschen kamen in den Quader, der mit
Eishockeypucks verkleidet war – das waren mehr als doppelt so viel wie
bei der letzten Expo im japanischen Aichi. Und es hat bei der Aufklärung
geholfen, wie Expo-Generalkommissar Pavel Stehlík am Sonntag bilanzierte:
„Wir haben Tausende Nachrichten bekommen, die uns wegen unseres Pavillons ausrichten: ´Auch wenn wir vorher nichts über Tschechien wussten, jetzt wissen wir, dass…´ Und dann nennen sie das, was sie im Pavillon gesehen haben.“
Am Sonntag haben in Shanghai die Expo geschlossen (Foto: ČTK)
Zu sehen waren die „Früchte der Zivilisation“, so das Motto, also
alles, was die Tschechen so erfunden haben: von der Prager Karlsbrücke,
die natürlich nur als Replik, bis zu Mikrowelle und Kontaktlinsen. Am
meisten ist den Besuchern aber die so genannte goldene Träne in Erinnerung
geblieben, mit der jeder Besucher seine Emotionen messen lassen konnte.
Anhand der Resultate mischte dann ein spezieller Automat dem Besucher ein
eigenes Parfum. Auch die Veranstalter der Expo waren von dem tschechischen
Beitrag überzeugt. Sie zeichneten ihn mit Silber in der Wertung der
kreativsten Beiträge aus, Gold erhielt Slowenien.
Am Sonntag haben in Shanghai die Expo geschlossen (Foto: ČTK)
Doch bei der Expo geht es nicht nur um den Spaß, sondern auch ums harte
Geschäft. Rund 130 Wirtschaftsgespräche fanden im tschechischen Pavillon
statt. Die Teilnehmer hätten sie als erfolgreich bezeichnet, sagt
Stehlík. Allerdings bliebe vielleicht ein halbes Jahr, um die heißen
Eisen zu schmieden - also Verträge abzuschließen, so der
Expo-Generalkommissar.
Umgerechnet insgesamt 20 Millionen Euro hat der Expo-Beitrag gekostet. Immerhin 3,6 Millionen Euro hat die tschechische Regierung bereits wieder eingenommen. Ein guter Teil davon kommt durch den Verkauf des Pavillons an ein chinesisches Staatsunternehmen mit dem bezeichnenden Namen „Farm der tschechoslowakisch-chinesischen Freundschaft“. Dazu Stehlík:
Pavel Stehlík
„Diese Farm liegt in einer neuen Wirtschaftszone, es ist ein sehr
attraktiver Ort. Dort ist für eine Stadt von einer Million Bewohnern ein
neuer internationaler Hafen entstanden. Und daher finden wir, dass es ein
sehr guter Ort für den tschechischen Pavillon ist.“








