Tagesecho Gold verpasst, Silber gewonnen: Tschechiens Damen bei Basketball-WM gefeiert
Am Sonntagabend ist im westböhmischen Karlovy Vary / Karlsbad die 16. Basketball-Weltmeisterschaft der Frauen zu Ende gegangen. Es waren elf Tage, die die hiesigen Sportfans in einen wahren Begeisterungstaumel versetzten, da die tschechische Mannschaft alle mitriss. Nach mehreren packenden Spielen kämpften sich die Gastgeberinnen bis ins Finale, in dem sie dem hohen Favoriten USA ordentlich Paroli boten, aber 69:89 unterlagen. Die WM-Silbermedaille ist der größte Erfolg des tschechischen Basketballs seit 35 Jahren.
Gold verpasst, Silber gewonnen! (Foto: ČTK)
Gut eine Minute vor dem Ende des großen Finales erhoben sich die 6000
Zuschauer in der ausverkauften Karlsbader KV Arena von ihren Plätzen und
feierten mit Standing Ovations ihre Mannschaft. „Holky děkujem“
(Mädchen, wir danken Euch!) hallte es von den Rängen. Und das zu recht.
Zwar verloren die tschechischen Damen das mit Spannung erwartete Finale
gegen die während des gesamten WM-Turniers ungeschlagenen
US-Amerikanerinnen mit 20 Punkten Unterschied; doch die Art und Weise, wie
sie sich nach sechs Siegen und zwei Niederlagen bis ins Endspiel
durchgeschlagen hatten, begeisterte. Und auch im Finale enttäuschten sie
nicht. Trotz des frühen Ausscheidens ihrer baumlangen Angreiferin Jana
Veselá wegen einer Verletzung hielten sie besonders in der ersten
Spielhälfte gut dagegen und lagen nur mit fünf Punkten im Rückstand.
Nach der Pause aber schwanden die Kräfte bei den Gastgeberinnen, so dass
die Amerikanerinnen entscheidend davonziehen konnten. Nach dem Schlusspfiff
war jedoch die Freude über die Medaille weit größer als der Gram über
die verpasste Sensation. Auch bei Ilona Burgrová:
Kateřina Elhotová (Tschechien) und Sylvia Fowles (USA). Foto: ČTK
„Die Freude überwiegt ganz klar. Ich denke, dass wir in diesem Spiel
alles gegeben haben, was man sicher auch gesehen hat. Deswegen gibt es
überhaupt keinen Grund traurig zu sein.“
In der Tat. Gegen die hoch favorisierten US-Girls, die zum achten Male Weltmeister wurden, waren die tschechischen Damen klarer Außenseiter. In den Reihen des tschechischen Teams aber gab es eine Spielerin, die die anderen gerade in den schwierigen Phasen immer wieder mitzog – Kapitänsfrau Hana Horáková. Ihre Fähigkeit, gerade in diffizilen Situationen entscheidende Akzente zu setzen, wurde letztlich auch belohnt: Hana Horáková wurde zur wertvollsten Spielerin des WM-Turniers gewählt. Noch mehr als über diese Auszeichnung freute sie sich aber über die Silbermedaille, die auch sie bei der Siegerehrung erhielt:
Lubor Blažek (Foto: ČTK)
„Was soll ich zu meinen Gefühlen sagen? Erst als mir die Medaille am
Hals baumelte, konnte ich begreifen, was wir da gewonnen haben. Bis dahin
war ich voll und ganz in das Finale eingetaucht. Jetzt aber haben wir den
zweiten Platz in der Welt belegt, und den kann uns niemand mehr nehmen.“
Unglaublich stolz und glücklich auf sein Team war auch Trainer Lubor Blažek, der so manch Träne verdrückte, als seine Spielerinnen verdientermaßen bejubelt und gehrt wurden:
„Ein herrliches Gefühl! Auf der einen Seite bin ich froh, dass die WM zu Ende ist und wir Silber gewonnen haben. Auf der anderen Seite stört es mich bereits, dass jetzt nur noch die Erinnerungen bleiben: an die tolle Stimmung und an ausgezeichnete Spiele. Ich bin sehr zufrieden.“









