Tagesecho Gipfelsturm der Krone – Regierung und Nationalbank sollen sie erden
Der tschechischen Krone sind in der Nacht zum Montag Flügel gewachsen. Kurzzeitig bekam man für einen Euro nur noch 23 Kronen. Eine Ausnahme, meinen die einen, Bestätigung eines langjährigen gefährlichen Trends, sagen die anderen.
Wer sich nicht täglich auf den Finanzmärkten dieser Welt herumtreibt,
sondern nur im Sommerurlaub Geld wechseln muss, der braucht bei der
folgenden Meldung immer ein Sekündchen, um zu begreifen: Die tschechische
Krone steigt von 25 auf 23 Kronen je Euro. Finanzprofis hingegen rieben
sich die Augen und fragten – was ist geschehen?
Auch auf den Devisenmärkten in Prag oder London heißt es am Ende jedes Tages: Der letzte macht das Licht aus – geschlossen bis morgen früh. In anderen Zeitzonen der Erde, wird man dann erst richtig wach und geht einkaufen - zum Beispiel Kronen. In der Nacht von Sonntag auf Montag hat ein Devisenhändler - vermutlich in Tokio - zu einem sehr günstigen Kurs Kronen gekauft und innerhalb von wenigen Minuten zog die tschechische Währung auf einen absoluten Rekordwert an.
„Das sind im Prinzip ein paar einmalige Transaktionen gewesen. Es ist möglich, dass der Kurs wieder auf 25 Kronen je Euro fällt, also dorthin, wo er sich in den letzten Tagen und Wochen stabilisiert hatte. Das würde dann bestätigen, dass die paar Einkäufe zu 23 Kronen pro Euro tatsächlich eine Art Ausrutscher waren.“
Foto: Europäische Kommission
So der Analyst Tomáš Vlk am Montag im Morgengrauen. Fest steht nun: Es
war ein Ausrutscher. Die Krone steht wieder beinahe bei fast 25:1 zum Euro.
Dennoch bestätigt sich mit diesem Ereignis ein jahrelanger Trend: Die
Krone wird stetig stärker und auf den Devisenmärkten beliebter. Und so
kaufen die Tschechen mittlerweile mit Freude und im großen Stil per
Postsendung Waren im Ausland ein. Der Zoll ist überfordert und spricht von
einem zweiten Weihnachtsboom. Auch Reisen ins Euro-Land werden beliebter
– es ist ja so billig geworden! Aber in der Wirtschaft ist es wie im
echten Leben: Des einen Freud ist des andern Leid. Tschechische Exporteure
bekommen aus dem Ausland immer weniger Kronen für ihre Waren. Der
Vorsitzende des Verbandes der Exporteure, Jiří Grund, hat allen Grund
sich aufzuregen - Verluste von fast 60 Milliarden Kronen (rund 2,4
Milliarden Euro). Ein Drittel der Unternehmen könne kaum noch Gehälter
auszahlen und stehe kurz vor dem Aus, sagte Grund am Wochenende. Man müsse
bei Regierung und Nationalbank endlich vom Klein-Klein wegkommen und der
Krone mit langfristigen Maßnahmen Einhalt gebieten.
Vielleicht sollten die Tschechen noch schnell ihren Sommerurlaub in Frankreich buchen? Der Kaffee unterm Eifelturm ist so billig wie noch nie!







