Tagesecho Gesetzesnovelle - Ausländer müssen sich in Tschechien wärmer anziehen
Die Ausländer in der Tschechischen Republik erwartet ein neues Ausländer- und Asylgesetz, das die Abgeordneten im Parlament durch die zweite Lesung gewinkt haben. Vor der Abstimmung, die bereits nächste Woche stattfinden könnte, gibt es aber wohl noch Einiges zu verhandeln.
Foto: Europäische Kommission
Für Ausländer aus Nicht-EU-Staaten, die sich in Tschechien aus
verschiedenen Gründen ein besseres Leben erhoffen, soll es schwieriger
werden eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Aber auch für
jene, die einen tschechischen Partner oder eine tschechische Partnerin
gefunden haben und in diesem Land leben wollen, wird die Latte höher
gelegt. Und zwar mit der Novelle des Ausländer- und Asylgesetzes, die am
Mittwoch im Parlament durch die zweite Lesung gegangen ist. Danach soll die
Kenntnis der tschechischen Sprache bereits beim Antrag auf eine dauerhafte
Aufenthaltsgenehmigung nachgewiesen werden. Verschärft werden sollen auch
die Bedingungen für jene Ausländer, die nicht innerhalb der
vorgeschriebenen Frist aus der Tschechischen Republik ausgereist sind. Laut
Regierung hängen diese Verschärfung mit dem bevorstehenden Beitritt
Tschechiens zum Schengen-Abkommen zusammen. Innenminister Ivan Langer sieht
vor allem den steigenden Zulauf von Ausländern als Grund:
Innenminister Ivan Langer
"Allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres sind 50.000
Ausländer hinzugekommen. Wir müssen imstande sein, konsequent zu
unterscheiden zwischen jenen, die in ihrem Land diskriminiert werden und
jenen, die mit zweifelhaften Absichten kommen."
Ins Visier genommen hat die Regierung daher auch die Ehen zwischen Ausländern und Tschechen. Innenminister Langer:
"Die Zahl der so genannten fiktiven Eheschließungen steigt. Auf diese Art und Weise kommen Ausländer nach Tschechien und erhalten eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Und unsere Aufgabe ist es, die tschechischen Bürger vor denen zu schützen, die hier nichts zu suchen haben."
Das Problem aus einem anderen Blickwinkel betrachtet die
Grünen-Politikerin und Ministerin für Menschenrechte, Dzamila Stehlikova,
eine Gegnerin der Novelle in ihrer jetzigen Form:
"Das Gesetz erschwert gerade die Bedingungen für junge national gemischte Ehepaare, die Kinder haben wollen. Das betrifft vor allem die Sozialleistungen. Der ausländische Ehepartner hat keinen Anspruch auf Unterstützung aus den Sozialkassen des Staates, die vor allem für Familien vorgesehen sind. Der Staat wird also die Ehen mit einem ausländischen Partner nicht unterstützen, was für diese Familien problematisch ist."
Die Grünen haben eine Reihe von Änderungsvorschlägen eingebracht, die vor allem den Umgang mit Flüchtlingen verbessern sollen. Laut Sozialdemokraten würden einige Punkte der Regierungsnovelle die Ausländer kriminalisieren und in ihre Rechte eingreifen. Der innenpolitische Experte der CSSD, Frantisek Bublan, erklärte, dass er nur deshalb nicht die Ablehnung der Novelle fordert, weil sie einige notwenige Regelungen für den Schengenbeitritt enthält.





