Tagesecho "Geschichten des Unrechts" an tschechischen Schulen
"Pribehy bezpravi", die Geschichten des Unrechts. Unter diesem Titel steht ein Filmprojekt, das im November an mehr als 300 tschechischen Grund- und Mittelschulen durchgeführt wird. Ausgewählte Dokumentarfilme und anschließende Gespräche mit Zeitzeugen sollen den Schülern die Geschichten des Unrechts in ihrem Land nahe bringen, das Schicksal der Verfolgten in der kommunistischen Tschechoslowakei. Thomas Kirschner berichtet.
Tschechische Schüler, so belegen es die Medien regelmäßig mit Umfragen,
wissen kaum noch etwas über die kommunistische Ära. Schuld daran tragen
auch die Schulen. Im Unterricht kommt die jüngste Geschichte des Landes
kaum vor. Dass die bedrückende Vergangenheit gut eineinhalb Jahrzehnte
nach der Revolution für die junge Generation bereits in weite Ferne
gerückt ist, ist einerseits eine erfreuliche Normalisierung, aber auch
eine Gefahr, meint der Schriftsteller und Filmemacher Jiri Stransky,
selbst Opfer kommunistischer Verfolgungen.
"Wir sind keine Nation, die es sich leisten kann, etwas zu vergessen Gleich entsteht dann die Gefahr, dass es wiederkommen könnte!"
Gegen das Vergessen richten sich sieben Dokumentarfilme, die die Organisation Clovek v tisni / Mensch in Not ausgewählt hat und die die Schicksale politisch Verfolgter in der kommunistischen Tschechoslowakei nachzeichnen. Der Schwerpunkt liegt auf den 40er und 50er Jahren, als das Unrechtsregime in Schauprozessen und willkürlichen Verhaftungen seine brutalste Seite hervorkehrte. 330 Schulen in ganz Tschechien haben sich der Aktion angeschlossen, die den ganzen November andauern wird. Zu den Filmvorführungen vermittelt Clovek v tisni jeweils einen Zeitzeugen, der den Schülern unmittelbar berichten kann - die beste Weise, um junge Menschen direkt zu erreichen, wie Projektleiter Karel Strachota meint.
"Der Dokumentarfilm ist, und unsere bisherigen Erfahrungen
bestätigen
das voll und ganz, ein ausgezeichnetes Medium, um bei den Schülern
Interesse zu wecken. Wir haben Filme ausgewählt, die konkrete
Einzelschicksale von politisch Verfolgten vorstellen. Zusammen mit dem
anschließenden Gespräch mit den Zeitzeugen, die einen ganz ähnlichen
Lebenslauf haben, ist das wirklich ein gutes Mittel, an die Jugendlichen
heranzutreten."
Auf Gleichgültigkeit, die den Jugendlichen oft vorgeworfen wird, ist noch keiner der Organisatoren gestoßen. Im Gegenteil: das Interesse ist groß. Das zeigt, stellvertretend für viele, auch die Reaktion eines Schülers auf den einführenden Film über die Schicksale politischer Häftlinge in der Tschechoslowakei in den 50er Jahren. Sein Eindruck:
"Schrecken und Entsetzen gegenüber dem, was war - und auch darüber, dass weder ich noch die meisten meiner Mitschüler davon viel wissen. Das sind abstoßende Dinge, und es ist wichtig, dass es so ein Projekt gibt!"
Mehr zu der Aktion "Geschichten des Unrechts" erfahren Sie in unserem Feiertags-Sonderprogramm am 17. November.







