Tagesecho Geheimnis der Rosenberger-Gruft gelüftet: Archäologen bestätigen Fundstätte

22-11-2011 15:19 | Till Janzer

Um die südböhmische Adligenfamilie Rožmberk, auf Deutsch Rosenberg, ranken sich Mythen. Sie haben die Familie, die 1611 ausstarb, bis ins Grab begleitet. Seit einigen Jahrhunderten wird nach einer angeblich großartigen Familiengruft der Rosenberger gesucht. Archäologen haben das Geheimnis nun gelüftet.

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Archäologen im Kloster Vyšší Brod (Foto: ČTK)Archäologen im Kloster Vyšší Brod (Foto: ČTK) Das Adelsgeschlecht der Rosenberger war im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit eines der reichsten im Königreich Böhmen. Und es war einflussreich. Doch mit Petr Vok starb im Jahr 1611 der letzte Erbe. Er wurde im Grab seiner Frau im Kloster Vyšší Brod / Hohenfurth nahe der heutigen tschechisch-österreichischen Grenze beigesetzt.

Kurz danach entstand eine Grab-Legende, die sich praktisch bis heute gehalten hat. Der Legende nach sollen insgesamt 40 Mitglieder der Familie in einem Massengrab ruhen, aber nicht in Särgen, sondern auf goldenen Stühlen rund um einen großen Tisch. Mehr als 300 Jahre lang wurde nach dieser sagenhaften Gruft gesucht. Die Grabkammer von Petr Vok und seiner Frau in der Zisterzienser-Abtei Vyšší Brod schien für eine Familiengruft viel zu klein. Vor kurzem wurde nun eine Sonde in die Grabkammer eingeführt. Und die Historiker und Archäologen staunten nicht schlecht. Jiří Šindelář vom Verein „Naše historie“ (Unsere Geschichte), der die Nachforschungen angestellt hat:

Jiří Šindelář (Foto: Táborský deník)Jiří Šindelář (Foto: Táborský deník) „Die absolut neue und grundlegende Information ist: Die Grabstätte war ursprünglich bedeutend tiefer, als heute zu erkennen ist. Sie wurde also in gewisser Weise überbaut. Wir können heute also kühn behaupten, dass dies das einzige große Familiengrab der Rosenberger ist, in dem – wie dies die schriftlichen Quellen behaupten – alle Familienmitglieder begraben sind.“

Die Familiengruft ist insgesamt drei Meter tief und drei Meter breit. Sie ist zwar bereits 1902 geöffnet worden, und vor zwei Jahren wurde sie erneut untersucht. Aber die tatsächlichen Ausmaße waren verborgen geblieben.

Petr VokPetr Vok Die Untersuchungen haben aber noch einen weiteren überraschenden Fund zu Tage gefördert: einen weiblichen Goldring, der auf dem Sargdeckel von Petr Vok lag. Jiří Šindelář glaubt, es ist der Ring von Voks Frau Kateřina z Ludanic. Ihr Sarg aus Holz war wohl auf dem ihres Mannes gestanden und ist mit den Jahren zerfallen. Dabei könnte der Ring auf dem Zinnsarg von Petr Vok gelandet sein.

All diese neuen Erkenntnisse interessieren auch den Leiter des Nationalen Denkmalamtes in České Budějovice / Budweis, Petr Pavelec. Sein Amt hatte zusammen mit weiteren Organisationen in diesem Jahr die Feierlichkeiten zum 400. Todestag von Petr Vok organisiert. Pavelec zu dem Ringfund:

„Es gibt zwei Möglichkeiten: Es kann tatsächlich der Ring von Kateřina z Ludanic sein, oder der Frauenring ist unter anderen Umständen dorthin gekommen. Beides verweist erneut auf das mythische Leben von Petr Vok und ist Teil der Geschichte der Rosenberger.“

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