Tagesecho Geheime Saiten: deutsche Geigenbaukunst in Prag

26-02-2010 14:51 | Teresa Stelzer, Iris Keller

Wer an Geigenbau denkt, dem kommt vermutlich zunächst einmal Stradivari und Italien in den Sinn. Süddeutschland und Österreich sind ebenfalls historische Geigenbauzentren. Dass aber auch Prag im 18. und 19. Jahrhundert eine Hochburg des Geigenbaus war, wissen nur wenige.

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Violonist Jaroslav SvěcenýViolonist Jaroslav Svěcený Jaroslav Svěcený ist Violonist. Er hat sich aber auch mit dem Geigenbau beschäftigt:

„Die Geige aus dem Jahre 1737 hat eher einen weichen Ton. Ganz im Gegensatz steht die Geige aus dem Jahre 1890. Sie ist ein Modell nach Stradivarius. Ein Freund von mir sagt immer: Hier sind schon zwei Lautsprecherboxen eingebaut.“

Svěcený hatte am Dienstag in den Clam-Gallas-Palais in Prag gleich zehn Geigen mitgebracht hat. Das Prager Literaturhaus hatte Svěcený zu einem Abend über die deutsche Geigenbaukunst in Prag eingeladen. Dazu Lucie Černohousová, die Leiterin des Literaturhauses:

Lucie ČernohousováLucie Černohousová „Den Abend haben wir ´Geheime Saiten – Geigenbau und Literatur im deutschen Prag´ genannt. Geheim haben wir ihn deshalb genannt, weil der Geigenbau in Prag sehr wenig bekannt ist. Dass es hier wirklich einen sehr bedeutenden oder zu seiner Zeit bedeutenden Geigenbau gegeben hat, der auch mit dem deutschsprachigen Prag verbunden war, wissen nur wenige.“

Warum ausgerechnet in Prag im 18. und 19. Jahrhundert so viele Geigenbauer waren, hat sich Jaroslav Svěcený oft gefragt:

„Ich habe nicht kapiert, warum gerade hier in Prag so viele Geigenbauer waren. Aber dann habe ich gesehen, dass mehrere deutsche Geigenbaumeister nach Prag gegangen sind. Johann Ulrich Eberle war eigentlich einer der ersten, der die so genannte Prager Schule gegründet hat. Prag war einfach das Mekka des Geigenbaus. Hier waren viele Konzerte, viel Kultur und deswegen waren die Geigenbauer da, sonst hätten sie ihre Instrumente nie so verkaufen können.“

Während im heutigen Geigenbau das italienische Modell dominiert, hatte die Prager Schule zu ihrer Blütezeit eine ganz eigene Bauart entwickelt. Dazu Svěcený:

„Im 17. Jahrhundert beziehungsweise am Anfang des 18. Jahrhunderts war die Number One hier Jakob Steiner. Er hat ein Modell entwickelt, welches eine hohe Wölbung hat. Das Instrument ist ein bisschen enger, das heißt die Tonqualität ist eine andere als bei den italienischen Instrumenten. Der Ton ist weich, er ist nicht so stark, aber die Farbe ist einmalig.“

Jaroslav Svěcený ist gefragter Experte auf dem Gebiet des Geigenbaus. Schon seit seiner Kindheit interessiert er sich für die Entstehung der Instrumente. In seiner Heimatstadt Hradec Králové / Königgrätz schaute er oft in der Werkstatt des dortigen Geigenbauers vorbei. Während seines Studiums am Konservatorium in Prag spürte er diesem Handwerk auch in der tschechischen Hauptstadt nach. Bekannter ist der Tscheche jedoch als Virtuose im Geigenspiel. Er verhalf jeder der zehn Geigen an dem Abend im Clam-Gallas-Palais zu ihrem Auftritt.

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