Tagesecho Gedenken zum 57. Jahrestag der kommunistischen Machtergreifung
Zum 57. Jahrestag der Machtergreifung der Kommunisten in der damaligen Tschechoslowakei gab es am vergangenen Freitag zahlreiche Gedenkveranstaltungen. Pikant: das Zusammentreffen mit der gegenwärtigen Regierungskrise, bei der auch die Kommunisten wieder eine Rolle spielen könnten. Mehr von Thomas Kirschner.
Prag am vergangenen Freitag, am 25. Februar 2005. Auf dem Altstädter Ring,
unter dem Balkon des Kinski-Palais, haben sich Menschen versammelt, um der
Opfer des kommunistischen Regimes zu gedenken. Vor genau 57 Jahren, am 25.
Februar 1948 hatte Kommunistenführer Klement Gottwald hier seinen
jubelnden Anhängern verkündet, dass Staatspräsident Edvard Benes dem
kommunistischen Druck nachgegeben hatte.
Dies war der Auftakt zum so genannten "Siegreichen Februar", an dessen Ende die Alleinherrschaft der Kommunisten in der Tschechoslowakei stand. Mit einem symbolischen Grab und der Verlesung der Namen derer, die in kommunistischen Gefängnissen und bei der Zwangsarbeit ums Leben gekommen sind, erinnerten ehemalige Regimegegner an die 1400 namentlich gesicherten Opfer der Diktatur. Tatsächlich dürfte die Zahl der Toten weit höher liegen. Dass 15 Jahre nach der Wende schon wieder über eine mögliche Rolle der Kommunisten bei der Lösung der derzeitigen Regierungskrise spekuliert wird, ruft nicht nur bei der Vorsitzenden der Konföderation der politischen Gefangenen, Nadezda Kavalirova, ungute Erinnerungen hervor:
"Man vergleicht eben, dem kann man sich nicht entziehen. Und die Situation heute erinnert uns an den Februar ´48. Wenn es solche Schachereien in Staats- und Regierungsämtern auf den höchsten Posten gibt, was soll man dazu sagen? Es bleibt einem nur die Trauer übers Älterwerden. Denn wenn ich jung wäre, würde ich in die Politik gehen. Und das würden wir alle, die wir hier sind."
Aber nicht nur in Prag wurde den Opfern des Regimes gedacht. So erinnert
seit kurzem etwa ein Denkmal am Steinbruch von Moriny an das Schicksal von
1400 Regimegegnern, die in den Jahren 1949-1953 hier als Zwangsarbeiter
unter unmenschlichen Bedingungen schwerste Arbeiten verrichten mussten.
Einer von ihnen ist Frantisek Sedivy, der Initiator des Denkmals. Ihm
zufolge kommen Menschen aus der ganzen Republik hierher, um der Opfer zu
gedenken.
"Das Denkmal ist ein symbolisches steinernes Gitter, durch das man herunter in den Steinbruch schauen kann. Von unten wiederum kann man durch das Gitter symbolisch in die Freiheit sehen. Rings herum ist Platz, um Blumen abzulegen und Kerzen anzuzünden. Und wie man sieht, wissen die Menschen was dieses Denkmal zu bedeuten hat und an wen es erinnert."
Auch die Kommunistische Partei hatte ein besonderes Programm für den 25. Februar vorbereitet: Ins nordböhmische Teplice / Teplitz lud man zu dem nach dem neuen Parteisymbol benannten "Kirschenball". Hier einen Zusammenhang mit dem Februar 1948 herzustellen, sei allerdings geschmacklos, so ein Parteivertreter.







