Tagesecho Gedenken an Ležáky – „Aussiedlung logische Folge der deutschen Verbrechen“
Die Ermordung des stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrichs durch tschechoslowakische Fallschirmspringer hat sich dieses Jahr zum 70. Mal gejährt. In den Medien, in Ausstellungen und Gedenkaktionen wurde auf das Thema hierzulande ausführlich eingegangen. Auch an die Opfer des Rachefeldzuges der Nazis wurde erinnert, so an das Dorf Lidice, das damals dem Erdboden gleichgemacht wurde. Sein Schicksal ist auf der ganzen Welt bekannt. Dem Terror fiel aber noch ein zweites Dorf zum Opfer: das ostböhmische Ležáky.
Nazis zerstörten Ležáky
Das kleine Dorf Ležáky lag in Ostböhmen, in der Nähe der Stadt
Pardubice. Bis zum 24. Juni 1942 hatte es genau 47 Einwohner, 16 Männer,
17 Frauen und 14 Kinder. Am Nachmittag trieben deutsche Sicherheitskräfte
die Bewohner in einem Steinbruch zusammen und transportierten sie danach in
das Gestapo-Hauptquartier nach Pardubice. Dort wurden die Männer und
Frauen noch am gleichen Tag ohne Gerichtsverhandlung erschossen. Die 14
Kinder wurden nach Prag gebracht – zwei wurden von deutschen Familien
zwecks Germanisierung adoptiert, die restlichen 12 Kinder wahrscheinlich,
wie ihre Leidensgenossen aus Lidice, in einem KZ ermordet.
Im Alter von sechs Jahren kam Jarmila Šťulíková nach dem Krieg 1946
zurück in die Tschechoslowakei.
Gedenkakt in Ležáky (Foto: ČTK)
„Leider erinnere ich mich nur noch an das, was mir Verwandte oder mein
Onkel Pelikán erzählt haben.“
Das erklärte die 72-jährige, die heute Doležalová heißt, im Interview. Nach ihrer Rückkehr stand sie vor vielen Problemen. Eines davon war, dass sie nur Deutsch sprach. Als sie eingeschult wurde, rief der Lehrer sie mit ihrem tschechischen Namen, Šťulíková, auf. An ihre Antwort erinnerte sie sich ihr Leben lang. Ihre eigene Tochter kann sie wortgetreu wiedergeben:
„Ich bin Camilla Paetl, ich bin nicht Jarmila Šťulík“
Karel Čurda
Die Nazis zerstörten Ležáky, ähnlich wie Lidice, vollständig. Anders
als in Lidice wurde Ležáky aber nicht völlig willkürlich ausgesucht.
Die Fallschirmjäger hatten dort tatsächlich einen Sender versteckt, mit
dem sie Kontakt nach London hielten, zur tschechoslowakischen
Exilregierung. Der Verwalter des nahen Steinbruchs war ein ehemaliger
Soldat der tschechoslowakischen Armee und, ebenso wie der Wachtmeister und
der Müller, im Widerstand tätig. Sie druckten und verteilten Flugblätter
und halfen den Fallschirmspringern, ihren Sender zu verstecken. Zwar
wussten die deutschen Sicherheitskräfte, dass aus der Gegend von Pardubice
gesendet wurde. Aber erst als einer der Fallschirmspringer, Karel Čurda,
im Verhör der Gestapo auspackte, fiel der Name Ležáky. Am 24. Juni 1942
umstellten daraufhin SS und Sicherheitspolizei das Dorf.
Dominik Duka (Foto: ČTK)
Auf den Tag genau 70 Jahre später fand am Sonntag ein Gedenkakt am
Denkmal für das zerstörte Dorf statt. Der Prager Erzbischof und Kardinal
Dominik Duka veranstaltete eine Messe und Angehörige, Politiker und
Militärs legten Kränze nieder. Gekommen waren, neben einigen hundert
Bürgern, die Präsidentin des Abgeordnetenhauses, Miroslava Němcová, und
Staatspräsident Václav Klaus. Dieser erklärte in seiner Rede:
Václav Klaus (Foto: ČTK)
„Der nationalsozialistische Terror, die Verbrechen und der fanatische
Widerstand, den die Deutschen bis in die letzten Momente des Krieges
aufrecht hielten, hat das 1000-jährige Zusammenleben von Tschechen und
Deutschen in den böhmischen Ländern zerstört. Das kompliziert aufgebaute
Vertrauen und die Bereitschaft, das Zusammenleben fortzusetzen, wurden
zerrissen. Die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus unserem Land war
eine logische Folge dieses tragischen Kapitels unserer Geschichte.“
Das Staatsoberhaupt würdigte aber ausdrücklich den Brief des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck, der sich für die Ereignisse in Lidice und Ležáky entschuldigt hatte.








